Mein Zuhause wächst – auch wenn ich weit weg bin
Im April habe ich das Grundstück kennengelernt, auf dem mein Haus oder unser Haus entstehen sollte. Es befindet sich ein bisschen abseits der Hauptstraße in Abéné, in einem grünen und baumreichen Gebiet.
Der Weg dorthin ist gesäumt von Cashewbäumen, ich habe im April noch Cashewfrüchte vom Boden aufgesammelt und gegessen.


Unzählige Vögel leben dort, es hat aus allen Richtungen gezwitschert. Ich erinnere mich an das Rauschen der Blätter und an den Geruch der Erde.
Damals war da nur wild bewachsenes Land mit hohem, vertrocknetem Gras.
Da also sollte das Haus entstehen.
Jetzt wächst dort etwas. Stein für Stein, gebaut von zahlreichen Händen.
Mein Mann Moctar erzählt mir regelmäßig, wie es vorangeht. Ich höre seine Stimme, höre vor allem die Müdigkeit nach dem langen Tag. Aber ich höre auch den Stolz darin und die Freude.
Und neulich hat er Fotos geschickt. Auf den Bildern sehe ich Mauern, die langsam Formen annehmen. Noch unfertig, aber schon jetzt kann man sehen, was es werden wird. Und es wird schön!



Das hier ist der Stand nach 6 Tagen Bauzeit
Ich betrachte jedes Detail, als wäre ich selbst dort. Den Schatten einer Mauer, die Fenster, durch die bald Licht fallen wird. Ich sehe den Ort, an dem ich einmal stehen werde – vielleicht barfuß, vielleicht mit einem Kaffee in der Hand. Ich sehe die Sitzecke auf der Veranda, wo ich mit meiner Kora sitzen werde oder auch mit Bekannten essen werde.
Zwischen den Fotos und seinen Erzählungen entsteht in mir ein Haus, das nicht nur aus Steinen gebaut ist, sondern aus Bildern, Worten und Sehnsucht.
Manchmal frage ich mich, wie es sein wird, wenn ich das erste Mal durch die Tür trete. Wenn die Vögel mich morgens beim Aufgehen der Sonne mit ihrem Zwitschern wecken werden.
Ob ich dort nachts, wenn alles ruhig ist, das Wellenrauschen von Atlantik hören kann?
Ich stelle mir vor, wie wir dort sitzen werden, unter den Bäumen, und das Gefühl haben: Wir sind angekommen.


Und hier nach 9 Tagen Bauzeit
Mein Mann sagt jedesmal: „Das wird dein Haus, Jana. Es wird dein Zuhause.
Ein Ort, an dem du glücklich sein sollst.“
Und jedes Mal, wenn ich das höre, spüre ich ganz viel Wärme in mir und ganz viel Liebe.
Noch nie hat jemand ein Haus für mich gebaut.
Dieses Haus ist mehr als ein Bauprojekt. Es ist ein Versprechen.
Eine Art Wurzel, die schon wächst, auch wenn ich gerade noch in Deutschland bin.
Manchmal wächst etwas, obwohl man weit weg ist. Und vielleicht wächst gerade dann am meisten – weil man spürt, dass die Verbindung stark genug ist, um auch über die Entfernung zu tragen.