Eigentlich wollte ich nur kurz zur Grenze fahren, um mein Passavant zu verlängern. Zehn Minuten, vielleicht eine Stunde – so hatte ich mir das vorgestellt. Diesmal lief es anders. Statt eines neuen Stempels bekam ich plötzlich einen ganz anderen Satz zu hören:
„Il vous faut une carte de résidence.“ (Sie brauchen eine Residence Card.)
Warum, fragte ich. Ich habe einen deutschen Pass, einen internationalen Führerschein, ein gambisches Auto mit allen erforderlichen Unterlagen. Und ich halte mich überwiegend in Senegal auf. Seit einem Jahr bekomme ich ohne Probleme das Passavant für jeweils 30 Tage. Aber der Grenzbeamte erklärte mir, dass ich, wenn ich dauerhaft in Senegal mit dem gambischen Auto fahren möchte, eine gambische Residence-Card vorweisen muss. Und er gab mir ein Passavant für nur 10 Tage mit dem Hinweis, ich solle nach Gambia fahren, um das zu erledigen.
Ich war so wütend, mein erster Impuls war, ich gehe zurück nach Gambia. Dort habe ich all diese Probleme nicht.
Aber meine Wut legte sich recht schnell. Denn nur zwei Tage später hatte ich einen tollen Auftritt in Abene. Zum zweiten Mal trat ich im „chez Vero“ auf. Es waren viele Leute dort und neben mir spielten noch andere Musiker*innen. Mittlerweile kenne ich so viele tolle Leute hier, auch welche aus Europa und sogar Deutschland, die dauerhaft hier leben. Das alles soll ich aufgeben, wegen der blöden Bürokratie? Nein, in mir erwachte der Kampfgeist.

Am Mittwoch Abend fuhr ich nach Gambia und am nächsten Tag fuhr ich früh morgens nach Serekunda zum Immigration Office. Mein bester Freund aus Gambia, Janko, begleitete mich. Er hatte dich bereits im Vorfeld erkundigt, was wir tun müssen.
„Sag, dass du in Sanyang lebst. Sag nicht, dass du in Abene lebst. Sag nur, dass du manchmal dort hinfährst, um Musik zu machen“
Es war voll im Immigration Office, Gefühlt hundert Menschen und es war wahnsinnig laut. Alle redeten durcheinander.

Zunächst brauchte ich einen speziellen Stempel im Pass, der bescheinigt, dass ich die üblichen 28 Tage verlängert habe. Dieser Stempel kostet 2000 Dalasis. Danach bezahlte Janko die Gebühr für das Permit. Weitere 7700 Dalasis. Mit der Quittung gingen wir in den nächsten Flur, wo ich mich in eine Schlange einreihte.
Als ich endlich an der Reihe war, wurden meine Daten in den Computer eingegeben und mir wurde ein Formular überreicht. Mit dieser ging ich zum nächsten Schalter, wo noch ein paar weitere persönliche Daten eingetragen wurden. Mein Familienstand, wo ich in Gambia wohne, was ich beruflich mache usw.
Auf zum nächsten Schalter… doch dort erwartete mich eine böse Überraschung!
„There‘s a mistake“
Ein Fehler im Formular! Statt „First request“ also erster Antrag stand dort „renewal“ also erneuert. Als ich das Formular sah, sah ich noch zwei weitere Fehler. Mein Name war falsch geschrieben: statt Sandner stand dort Sadner und bei der Nationalität stand georgian statt german…
Ich musste damit in die erste Etage, um das korrigieren zu lassen. Janko nahm die Dokumente und meinen Pass und erledigte das, während ich geduldig wartete. Es war heiß auf dem Flur und ich hatte Hunger und Durst. Und auch hier war es wieder sehr voll und sehr laut.
Mit dem korrigierten und neu ausgestellten Formular gingen wir wieder ins Erdgeschoss. Dort wurde wieder alles in den Computer eingegeben und ich durfte zum Foto machen!
Auch hier wurde erst wieder alles in den Computer eingegeben, digitale Fingerabdrücke wurden genommen und das Passfoto aufgenommen. Ich unterschrieb noch digital und bekam eine Bescheinigung, dass meine gambische Permit beantragt wurde!
Vier Stunden habe ich auf dem Amt verbracht aber ich hatte das Dokument, was ich brauche. Und letztendlich habe ich mich gewundert, wie einfach es war, diese Residence-Card zu beantragen.
Die richtige Karte wird in etwa einem Monat fertig sein.
All der Stress fiel von mir ab und ich wäre Janko vor lauter Freude am liebsten um den Hals gefallen. Aber es ist Ramadan und da geht das nicht.
Am nächsten Abend hatte ich noch einen schönen Auftritt in der Mama Mia‘s Bar in Sanyang. Mit Marie, der schwedischen Inhaberin, verbindet mich mittlerweile eine schöne Freundschaft.
Und irgendwie fasziniert mich mein Leben zwischen Musik und dem Alltag. Auch wenn es manchmal alles andere als einfach ist. Aber ich wachse daran.