Letzte Woche lernte ich in Gambia eine Gruppe von spanischen Zahnärzt*innen kennen. Sie kommen seit über 14 Jahren jedes Jahr hierher nach Sanyang, um eine Woche lang freiwillig und unentgeltlich die Bevölkerung zu behandeln. Sie nehmen dafür ihren privaten Urlaub. Und sie bezahlen alles, Flug, Unterkunft, Essen usw. von ihrem eigenen Geld.
Letzten Dienstag habe ich sie fotografisch bei ihrer Arbeit begleitet und ich bin tief beeindruckt.


Als ich ankomme, sitzen etwa 50 Menschen draussen auf Bänken, dicht an dicht. Sie warten geduldig, bis sie an die Reihe kommen. Erst müssen sie sich anmelden und es wird geschaut, ob ein Zahn (oder sogar mehrere) gezogen wird oder ob ein Zahn eine Füllung benötigt.
Im Krankenhaus werden die Patient*innen in zwei Flügeln behandelt: der linke Flügel ist Zähne ziehen, der rechte Flügel ist Zähne füllen und reinigen. Dazwischen ist ein abgetrennter Raum, wo die Instrumente gereinigt und sterilisiert werden.
Alle arbeiten hochkonzentriert und Hand in Hand, dabei treffen hier Ärzt*innen aufeinander, die in Spanien an komplett unterschiedlichen Orten leben und arbeiten. Im Hintergrund läuft spanische Musik: Despacito und so etwas in der Art.


Ich werde freudig begrüßt und mache mich an meine Arbeit. Ich darf alles fotografieren, die Patient*innen wissen davon und haben ihr Einverständnis gegeben. Ich verschaffe mir zunächst einen Überblick und dann lege ich los.
Natürlich versuche ich, möglichst unauffällig und diskret im Hintergrund zu bleiben und niemanden bei der Arbeit zu beeinträchtigen. Aber manchmal gehe ich auch sehr nah ran.


Auch Kinder werden behandelt und sie sind verdammt tapfer!


Mich berühren viele Momente, zum Beispiel als das kleine Kind auf dem Schoß seiner Mutter sitzt als ihr ein Zahn gezogen wird.
Oder als ein wildfremder Mann, der als Dolmetscher vor Ort ist, die Hand einer Patientin nimmt, weil sie große Angst vor der Betäubungsspritze hat.


Im rechten Flügel, wo Füllungen gesetzt und Zähne gereinigt werden, geht es etwas entspannter zu. Als ich den Raum betrete, tönt gerade „Despacito“ laut aus den Boxen.

Alle lachen, die, die noch auf ihre Behandlung warten und die, die ihre Behandlung hinter sich haben.


Lachen vermischt sich mit Dankbarkeit. Dankbarkeit für diese fantastische Gruppe, die eine Woche lang unentgeltlich die gambische Bevölkerung behandelt.


