Bunt, bunter, Batik!

In Gambia wird viel gebatikt, es gibt unterschiedliche Techniken, die Abbindetechnik (tie-dye) und die Wachsbatik.
Ich persönlich liebe tie-dye Batiken sehr, ich habe mir bereits einige Kleider aus diesen bunten Batikstoffen gekauft bzw. nähen lassen oder auch selbst genäht und bei meinen letzten Gambia-Reisen habe ich mir u.a. Bettwäsche batiken lassen.

Meine Bettwäsche in Tschechien

Aber was nutzt mir die gebatikte Bettwäsche zuhause in Tschechien, wenn ich hier in Gambia bin?
Letzten Samstag war ich mal wieder in Brikama auf dem Markt und habe wunderschöne große gebatikte Laken gesehen. Ich habe eines davon für mein Bett mitgenommen. Und ein kleineres, um Kissenbezüge daraus nähen zu lassen.
Heute habe ich mein Bett mit diesem Laken und den neuen Kissenbezügen bezogen und ich bin richtig happy. Die Farben und die Muster machen richtig gute Laune!

Meine Bettwäsche in Gambia

Zum Markt gehen und eine neue Freundin finden

Montag, 02. Dezember 2024

Heute gehe ich endlich mal zum Markt. Ich muss das kurz erklären, einen Block weiter ist ein klitzekleiner Markt, etwa 15 Stände. Dort verkaufen Frauen aus der Nachbarschaft, was deren Gärten hergeben. Oder auch, was das Meer gegeben hat. Sie sind dort immer nur vormittags, verkaufen und tauschen Neuigkeiten aus dem Viertel aus. Ein netter Frauentreff in Sanyang.
Bislang war immer irgendwas in dieser ersten Woche und ich hatte es nicht geschafft, dort hinzugehen. Aber heute vormittag hatte ich Zeit, weil mein Kora-Lehrer wegen einer Beerdigung erst später kommt.
Auch das ist so eine Sache. Viele Verabredungen platzen oder verschieben sich, weil irgendwer gestorben ist. Und Muslime müssen sehr schnell beerdigt werden.
Auf dem Markt lerne ich Kaddy kennen. Sie übernimmt die Rolle der Dolmetscherin für mich, die meisten Frauen, die hier ihre Waren verkaufen, sind schon älter und sprechen kein Englisch sondern Mandinka, eine der vielen Stammessprachen hier.
Sie schlendert mit mir von Stand zu Stand, erklärt, übersetzt, legt die Waren in meine Tasche.
Als ich alles eingekauft habe, begleitet sie mich nach Hause. Sie nimmt das Bündel Feuerholz, was sie gekauft hat, legt es locker-lässig auf ihren Kopf und geht mit mir die 150 m nach Hause.
Kaddy möchte wissen, wo ich wohne, wie ich wohne. Wir sitzen zusammen vor meiner Wohnung auf der Terasse und reden ein bisschen. Kaddy ist 25 und verheiratet und lebt im Compound nur wenige Meter hinter mir, wir sind quasi Nachbarinnen.
Nach etwa 15 Minuten verabschiedet sie sich, denn sie muss kochen. Vorher aber machen wir ein paar Selfies. Das war Kaddys Wunsch.


„Was kochst du heute?“ frage ich sie. „Domada“ sagt sie.
„oh, lecker“ antworte ich.
„Magst du Domada“ fragt sie mich. Und ich nicke und sage: „ja, ich liebe es!“
„Dann bringe ich dir nachher etwas vorbei“, ruft sie mir zu und setzt sich ihr Feuerholz wieder auf den Kopf und geht nach Hause.

Ein paar Stunden später klingelt das Telefon. Kaddy ist dran. Domada ist fertig. Und etwa 10 Minuten später steht sie bei mir vor dem Compound, mit einer Schale unter ihrem Umhang, die mit einer zweiten Schale abgedeckt ist.
Das Tolle aber ist, dass sie mit mir zusammen essen möchte. Das finde ich schön!
Ich hole uns Löffel und Gläser und Wasser. Teller brauchen wir nicht, wir essen, wie es hier üblich ist, von einem Teller.

Kaddy vergewissert sich einige Male, ob es mir schmeckt. Ich esse sehr langsam, das ist hier nicht üblich und anscheinend denkt sie, dass ich so langsam esse, weil es mir nicht schmeckt. Ich bestätige ihr etliche Male, dass ich ihr Domada sehr lecker finde.

Domada ist eine Erdnusssoße. Dazu gibt es Hühnchen oder Fisch oder auch Rindfleisch. Meistens auch Gemüse. Jede Familie hat ihr eigenes Rezept. Ich habe schon so oft Domada gegessen und es hat jedesmal anders geschmeckt aber es war jedesmal lecker. Diesmal auch.

Kaddy und ich werden uns noch einige Male wiedersehen, da bin ich sicher. Sie möchte mir Mandinka beibringen. Keine schlechte Idee.

Herausforderungen ohne Ende

Freitag, 06. Dezember 2024

Seit meiner Ankunft wartet nahezu täglich eine neue Challenge auf mich.
Manche sind spannend, wie zum Beispiel mit dem Fahrrad zum Strand zu fahren und festzustellen, dass 5 km sehr, sehr anstrengend und lang sein können. Oder im Gewusel der „Garage“ (so nennt man hier die Busbahnhöfe) den richtigen Gele-Gele (Bus) zu finden.
Andere wiederum sind echt herausfordernd.
Seit ich hier bin, also seit 1 1/2 Wochen, hatte ich mehrmals Stromausfall. Ich rede nicht von einem Ausfall, der vielleicht ein paar Minuten oder eine Stunde anhielt. Nein, die Stromausfälle erstreckten sich über mehrere Stunden, die ganze Nacht hindurch.
Gottseidank habe ich drei Powerbanks dabei, so dass ich Handy, Router und meine Stirnlampen laden kann und eine kleine USB-LED-Lampe damit betreiben kann, so dass ich nicht völlig im Dunkeln sitzen musste.
Der längste Stromausfall dauerte fast einen kompletten Tag, er begann am Montag abend und ging zum späten Nachmittag am Dienstag. Um dann am Dienstag abend noch einmal für etwa 3 Stunden auszufallen. Aber seitdem habe ich stabil Strom. Toi-toi-toi!

Am Mittwoch ist der Moskitoschutz-Rahmen aus dem Fenster gefallen. Es war sehr windig und der Wind drückte den Rahmen einfach hinaus.
Gottseidank kam meine Vermieterin am Mittwoch vormittag zu Besuch, so konnte ich ihr den Schaden zeigen.

Sie hat viel rumtelefoniert, um einen Schreiner aufzutreiben. Vergeblich. Da fiel mir ein, dass Kaddys Schwager (Kaddy ist eine meiner Nachbarinnen aus den umliegenden Compounds) Schreiner ist. Sie versprach mir, am Abend mit ihm vorbei zu kommen.

Seit Mittwoch Mittag habe ich auch kein Wasser mehr, unser ganzer Compound ist ohne Wasser.
Wir haben hier einen Wassertank, so wie es allgemein üblich ist. Die Pumpe ist solarbetrieben. Macht ja in Afrika auch Sinn, denn Sonne gibt es hier genug. Eigentlich.


Aber seit Dienstag ist es sehr bewölkt, wir haben keinen Sonnenschein mehr.
Auf der einen Seite ist das toll, das Wetter ist absolut richtig für mich. Nicht zu heiss und ich muss mich nicht gegen Sonnenbrand schützen. Aber für die Wasserpumpe ist es doof. Zwar hat sie eine Batterie, so dass das Wasser nachts normalerweise läuft aber die reicht nicht für mehrere Tage.

Am Mittwoch abend kam also Kaddy mit Sarja, ihrem Schwager, dem Schreiner. Er nahm einen der Moskitoeinsätze aus einem der anderen Fenster und setzte ihn provisorisch in mein Schlafzimmerfenster hinein und versprach mir, in den nächsten Tagen einen neuen Rahmen passgenau einzurichten.
Als beide mitbekamen, dass wir hier ohne Wasser sind, ging Kaddy zu einem der öffentlichen Wasserkräne, etwa 50 Meter von mir entfernt. Sie nahm einen Eimer mit und ein paar leere Plastikflaschen. Als sie wiederkam, balancierte sie den Eimer gekonnt auf ihrem Kopf.
Ich hatte nun Wasser, um mich zu waschen und fürs Klo.
Aber es blieb weiterhin bedeckt. Und so kamen Kaddy und Sarja noch einmal, um mich mit Wasser zu versorgen. Sie befüllten einen 20-Liter Kanister mit Wasser, füllten ihn in meine verfügbaren Eimer um den Kanister ein zweites Mal zu befüllen.

Ich bin absolut geflashed von dieser Hilfsbereitschaft meiner Nachbarn!
Dennoch hoffe ich, dass das Wasser bald wieder fließt.


„Fatou Yo“ in Brikama

Mittwoch, 27. November 2024
Ich bin heute nach Brikama gefahren, denn ich wollte zu Q-Cell ein Internet-Provider, um ein Bundle für meinen W-lan Router zu kaufen.
In Brikama gibt es ausserdem noch einen großen afrikanischen Markt, also einen wirklich afrikanischen. Nicht so einen, der für die Touristen ist, mit schönen und ausgesuchten Kunsthandwerkprodukten. Sondern einen Markt von Einheimischen für Einheimische. Man bekommt dort Kleidung, neu oder neuwertig und gebraucht, Obst und Gemüse aus den unterschiedlichen Gärten, Fisch und alles mögliche.

Es war unglaublich heiss und ich suchte mir schattige Gassen und eigentlich auch etwas zum Hinsetzen, denn mein Kreislauf verließ mich gerade ein wenig.
Und dann war da der Mann, der einer Frau die Dreads auffrischte. Die Frau saß auf einer kleinen Bank vor einem kleinen Shop. Als der Hairdresser mich sah, blinkten seine Augen und er meinte, ich solle mich setzen, er würde mir meine Dreads auch auffrischen. Hinsetzen wollte ich mich gerne aber keine Auffrisch-Prozedur. Ich fragte ihn dennoch, welche Technik er verwendet. Er meinte, ich mache dir eine Probesträhne, dann siehst du, ob es dir gefällt.

Er unterbrach also die Arbeit an der anderen Frau, die das hinnahm, als wäre das das Selbstverständlichste auf dieser Welt. Sie hatte ihre kleine Tochter dabei, sie nutze die Pause, um sie zu stillen. Ja, in Gambia wird öffentlich gestillt und keiner sagt etwas dagegen, dabei ist es ein muslimisches Land.

Mir gegenüber saßen drei Jugendliche im Alter von 14-17 Jahren. Ich wunderte mich, dass sie dort waren, mittags sind eigentlich Kinder und Jugendliche in der Schule. Ich fragte sie, ob sie nicht zur Schule gehen. Doch aber erst am Nachmittag. Ich fragte, was sie mal später beruflich machen möchten und die Antworten überraschten mich.
Einer von ihnen möchte wie sein Vater Schneider werden aber auch Sänger, denn er singt gerne. Der zweite möchte Fußballer werden, natürlich in der Nationalmannschaft Gambias.
Und der dritte sagte, er möchte irgendwann Präsident von Gambia werden. Wow, ich sicherte ihm meine Unterstützung zu.
Alle drei arbeiten neben der Schule als Schneider.

Aboubacar, der Hairdresser, arbeitete noch an meiner Probesträhne, da setzte sich eine Frau zu uns, in einem tollen, farbenprächtigen Kleid. Das war Amtie, die Mutter des zukünftigen Präsidenten. Eine sehr warmherzige Frau. Wir redeten nun alle durcheinander, auf Englisch, denn was anderes kann ich nicht.
In Gambia werden verschiedene Sprachen gesprochen. Hauptsächlich Mandinka, eine Sprache, die in ganz West-Afrika gesprochen wird. Aber daneben gibt es auch noch Wolof oder Fula oder Jola…



Irgendwann habe ich angefangen, das Lied „Fatou yo“ zu singen. Und alle kannten es und haben mitgesungen. Das war so schön! Ja, so ist Gambia. Du gehst alleine zum Markt und wenn du gehst, hast du viele neue Bekanntschaften geschlossen.
Aboubacar hat meine Probesträhne übrigens ganz wunderbar gemacht, in etwa drei Wochen darf er meinen kompletten Kopf bearbeiten.
Und von den drei Jungs werde ich mir ein Kleid nähen lassen. So eines, wie Amtie anhatte.

Abenteuer Gambia – Start jetzt

Ich sitze am Flughafen in Düsseldorf, mein Flug geht in etwas mehr als einer Stunde.
Es ist nicht das erste Mal, dass ich nach Gambia fliege, seit Januar 2023 war ich fünf Mal dort und dennoch ist dieses Mal alles anders. Dieses Mal fliege ich nicht für drei oder vier Wochen, dieses Mal möchte ich 1/2 Jahr bleiben.
Ich möchte viel lernen: ich werde wieder Kora-Unterricht nehmen, ich möchte trommeln, viele traditionelle afrikanische Lieder lernen, die ich singen und auf meiner Ukulele begleiten kann. Ich möchte batiken lernen. Und mindestens ein Fotoprojekt realisieren und ich möchte mit gambischen Frauen nähen.
Zwischendurch werde ich drei bis vier Wochen in Senegal sein, gemeinsam mit einer tschechischen Gruppe, um zu trommeln, zu tanzen und Spaß zu haben.
Den Rest der Zeit werde ich in Gambia verbringen, alleine auf mich gestellt.
Ich freue mich auf die Menschen, denen ich begegnen werde, ich freue mich auf die Sonne Afrikas, das Meer, die schönen Strände, das leckere Essen, die kraftvolle Musik.
Ich freue mich auf diese Zeit, ich freue mich auf dieses Abenteuer.

Erste Erfahrungen mit Afrika

Heute reisen wir noch weiter zurück. Und zwar in die Anfänge der 1990er Jahre. Es muss 1992 gewesen sein, so ganz genau weiss ich es nicht mehr.
Damals habe ich studiert, ich war ziemlich am Ende des Studiums (Sozialarbeit) und habe bereits über das Thema meiner Diplomarbeit nachgedacht. Ehrenamtlich habe ich mich seit einigen Jahren in der Eine-Welt-Arbeit engagiert. Ungefähr einmal pro Woche habe ich unentgeltlich den Dienst im Hohenlimburger Eine-Welt-Laden übernommen.
Der Verein, der hinter diesem Laden stand, hat in Kooperation mit der Kirchengemeinde einen Workshop angeboten, ein Wochenende lang trommeln und tanzen mit einer Gruppe aus Ghana. Ich hatte große Lust darauf und habe mich angemeldet.
Es war toll! Mir hat das Trommeln auf den Kpanlogos großen Spaß gemacht aber auch die traditionellen Tänze, da war so unglaublich viel Energie darin.
Am Ende des Workshops haben die Ghanaer Prospekte verteilt und uns erzählt, dass wir auch nach Ghana kommen können, um vor Ort trommeln und tanzen zu lernen und mit den Menschen dort 3-4 Wochen zu leben, zu kochen, zu feiern.
Oh, das wollte ich so gerne machen! Nach dem Ende meines Studiums wollte ich mir diese Reise gönnen.

Ich hatte mich bald informormiert, worauf ich bei einer Reise nach Ghana achten müsste. Damals hatten wir noch kein Internet, das Beschaffen von Informationen war sehr viel schwieriger als es das heute ist. Und ich fing an, jeden Monat eine kleine Summe zurückzulegen, nach meinem Studium, also im Frühjahr 1993 wollte ich nach Ghana.
Doch dann passierte das Unvorhergesehene: ich wurde im Herbst/Winter 1992 schwanger. Und damit war die Reise nach Ghana nicht mehr machbar. Ich hätte viele der nötigen Impfungen als Schwangere nicht machen können und auch die Malariaprophylaxe gestaltete sich als Schwangere als unmöglich. Und überhaupt rieten mir alle davon ab, als Schwangere nach Afrika zu reisen. Und wie ich schon erwähnte, damals hatten wir kein Internet. Keine Foren, kein Youtube, kein Instagram oder Facebook, wo wir entsprechende Menschen oder Gruppen hätten finden können, die eine solche Reise gemacht hatten und von ihren Erfahrungen berichten konnten.

Damit war der Traum von Afrika erst einmal zu Ende geträumt. Im August 1993 wurde mein erstes Kind geboren, im Juli 1995 mein zweites Kind. Mit zwei kleinen Kindern wollte ich auch nicht nach Afrika, auch hier rieten mir alle davon ab: zu gefährlich und risikoreich, insbesondere für die Gesundheit der Kinder. Und welches Elternteil mag schon die Gesundheit seiner Kinder riskieren?

Heute würde ich das anders sehen aber heute habe ich selbst Erfahrungen machen dürfen und vielleicht ist es heute, 32 Jahre später, auch anders.
Damals war es die richtige Entscheidung.