Zurück nach Abéné

Seit Dienstag bin ich wieder in Abéné, ganz im Norden der Casamance oder knapp unterhalb der Grenze zu Gambia. Zum Einen, weil ich die Hitze in Ziguinchor nicht mehr ertragen habe, wir hatten dort seit über vier Wochen Temperaturen zwischen 38 und 41 Grad, mein Zimmer dort glich einem Backofen. Zum Anderen aber auch, weil ich dringend an meinem Musikprogramm arbeiten muss. In 3 1/2 Wochen fliege ich zurück und so wie es ausschaut, habe ich vielleicht am 30.5. mein erstes Konzert mit westafrikanischen Liedern.

Ich habe eine Menge Lieder mit der wunderbaren Adama Cissokho gelernt aber ich muss sie arrangieren. Manche der Lieder haben nur eine Strophe und werden schnell langweilig, ich bin ja weder Chor noch Orchester, sondern stehe alleine mit meiner Ukulele oder Gitarre auf der Bühne.

Meine tschechische Bekannte Monika hat mir auf ihrem Grundstück Unterschlupf gewährt, hier war ich ja bereits im Januar zum Trommeln, Tanzen, Balafon- und Koraspielen. Hier gibt es viel Platz und vor allem eins: Ruhe. Denn die brauche ich, um mich musikalisch-kreativ auszutoben.

Kaira heißt Frieden und Kunda heißt Familie, beide Wörter entstammen aus dem Mandinka

Am Mittwoch bin ich mit Fieber aufgewacht. Na klasse, dachte ich mir, das fängt ja gut an. Wahrscheinlich irgendein Darminfekt, denn ich kam vom Klo nicht runter. Und so habe ich den Tag abwechselnd in meiner Hängematte und meinem Bett verbracht.

Am Abend ging es mir trotz 38,2 Grad Fieber so gut, dass ich ein paar Lieder arrangiert habe. Noch nicht die finale Fassung aber der Anfang ist gemacht.

Am nächsten Morgen war zumindestens das Fieber wieder runter. Ich nutzte den Vormittag zum spielen und üben. Erst auf der Ukulele, dann auf der Kora, dachte ich…

Aber eine der Stimmmechaniken ließ sich nicht mehr nach oben bewegen. Ausgerechnet die B-Saite auf der linken Seite. Die brauche ich in jedem Lied!

Was tun? Ich beschloss, aus der Not eine Tugend zu machen und zum Strand zu gehen. Der Weg zum Strand führt am Haus meines Kora-Lehrers Modou Konté vorbei. Und er war gerade draußen. Was ein Glück! Ich fragte ihn, ob er vielleicht eine Ersatzmechanik hätte… Ja! Hat er!

Und so änderte ich schnell meinen Plan, holte die Kora und lief zurück.

Doch bevor Modou meine Kora reparierte, gab es erst mal was zu Essen, Modou hatte nämlich gekocht.

Anschließend haben wir gejamt, mit Kora und Gitarre und viel Gesang, ich kann ja nun einige der typischen westafrikanischen Mandinka-Songs. Und dann gab es noch ein kleines Privatkonzert für uns, er hat zur Zeit nämlich noch einen Gast aus Frankreich bei sich.

Cashews

Die Provence in Frankreich ist für seine Lavendelfelder bekannt. Apulien in Italien für seine Olivenbäume und die Casamance in Senegal ist bekannt für seine Cashews. Überall stehen Cashewbäume, mal nur vereinzelt, mal ganze Wälder oder Alleen.

Und die Ernte ist jetzt bzw. beginnt gerade, je nachdem, ob es sich um eine frühe oder späte Sorte handelt.

Cashew-Allee im Süden der Casamance

Bislang kannte ich nur die Cashewkerne, also Nüsse, die man bei uns in Deutschland in nahezu jedem Geschäft kaufen kann. Aber der Cashewbaum hat weitaus mehr zu bieten.

Auf dem Baum wachsen Früchte. Mal sind sie gelb, mal rot. Je nach Sorte. Sie werden in Deutschland gerne Cashewäpfel genannt, obwohl sie so gar nichts mit einem Apfel gemeinsam haben. Und unter dieser Frucht sitzt der Cashewkern, also die Nuss, verpackt in einer dicken Schale.

Was ich bis vor kurzem nicht wusste, die Früchte kann man essen oder auch auspressen, sie sind voller Saft!

Der Saft schmeckt fruchtig und nicht zu süß. Das Fruchtfleisch hingegen ist leicht herb und hinterlässt gerne ein pelziges Gefühl im Mund und auf der Zunge.

Ich zutzele die Früchte aus, kaue endlos auf ihnen herum, bis nur noch der Trester übrig ist. Darüber freuen sich unsere Schafe und Hühner.

Man kann die Früchte auch auspressen, dann hat man köstlichen Saft. Ich werde nächsten Winter meine Saftpresse mitnehmen.

Die Cashewkerne dreht man einfach ab und lässt sie für 1-3 Tage an der Sonne trocknen. Danach werden sie gekocht. Die Schale enthält nämlich ein extrem hautreizendes Öl, das die oberste Hautschicht der Hände einfach wegätzt.

Deshalb ist es wichtig, beim Kauf der Nüsse nicht nur auf der Qualität zu achten, sondern auch auf das Herstellungsverfahren. Werden gesundheitliche Standards eingehalten usw.

Die Regierung setzt übrigens einen Preis für die geernteten Nüsse fest, der nicht unterschritten werden darf. Sie schützen so die Farmer, sich gegenseitig zu unterbieten bzw. von Käufern ausgebeutet zu werden.

Nach dem Kochen werden die Schalen geöffnet und die Nuss wird manuell aus der Schale gepult. Das ist nicht nur anstrengend sondern auch sehr zeitintensiv.

Abschließend kann die Nuss entweder „roh“ verzehrt werden oder geröstet. Hier werden Nüsse traditionell in einer Art Wok auf offenem Feuer geröstet. Damit sie nicht verbrennen, kommt Sand in den Wok. Dieser wird wieder ausgesiebt. Aber manchmal knirscht es trotzdem ein bisschen zwischen den Zähnen.

Und nun noch etwas Persönliches: meinem Mann gehört ein etwa 1,5 Hektar großes Stück Land zwischen Ziguinchor und Guinea-Bissau. Darauf befinden sich weit über 100 Cashewbäume. Vereinzelt fallen die Nüsse schon aber die Haupternte kommt erst noch, es ist eine der späten Sorten. Später in der Regenzeit gibt es noch eine zweite Ernte.

Spaziergang durch „mein“ Cashewwäldchen

Start up in Sawane-Kunda

Kunda heißt übersetzt Familie. Und der Name der Familie ist Sawane. Sawane-Kunda heißt also so viel wie Familie Sawane.

In dem Haus, in dem auch ich mein Zimmer habe, war noch ein unbenutzter Raum, direkt an der Straße. Und es gab Pläne, hier einen Frisörsalon zu eröffnen. Dafür musste ein bisschen umgebaut und renoviert und investiert werden. Gemeinsam haben wir eine Geschäftsidee angeschubst, um die Familienkasse aufzubessern.

So sah der Raum Ende Januar 2025 aus

Es wurde auch sofort losgelegt. Wände wurden verputzt und zur Straße hin wurde ein Durchbruch für die Eingangstür geschaffen.

Die Tür wurde geliefert und eingesetzt.

Und dann geschah längere Zeit nichts. Doch plötzlich wurden wieder alle sehr aktiv, das Ende des Ramadan nahte und damit Korité, das sogenannte Zuckerfest. Da möchte jeder schöne Haare haben.

Die Wände wurden knallblau gestrichen und ein Spiegel an der Wand angebracht.

Vor Korité brummte der Laden. Einmal Haareschneiden für Kinder kostet 500 XOF (senegalesische Franc), das sind umgerechnet 76 Cent. Und für erwachsene Männer kostet es 1000 XOF, also ungefähr 1,50 €.

Aladji schnitt und rasierte non-stop, bis tief in die Nacht. Ich hoffe, das bleibt so und die Kunden kommen nicht nur wieder sondern bringen auch noch neue Kunden mit.

In Zukunft sollen auch Frauen hier die Haare gemacht werden. Da wird es dann aber nicht um Schneiden gehen, sondern um Verlängern, um geflochtene Rastazöpfe, Dreads usw.

Ich wünsche Sawane-Kunda viel viel Glück und Erfolg!

Das Restaurant am Ende der Welt

Mir war nach einem Ausflug zum Ende des Ramadans. In Ziguinchor war es mir zu hektisch. Ich hab ja schon so meine Schwierigkeiten mit den Weihnachtsvorbereitungen und Einkäufen bei uns in Deutschland aber die Vorbereitungen für Korité sind noch sehr viel extremer.

Ich hatte mir Mlomp ausgesucht, ein kleiner Ort bei Oussouye auf dem Weg nach Cap Skirring, etwa 45 Minuten mit dem Auto. Es gibt dort ein kleines Djoola-Museum. Mein tschechischer Bekannter Václav begleitet mich.

Das Museum ist wirklich winzig, es besteht aus einer kleinen runden Lehmhütte.

Innendrin ein paar Exponate über das traditionelle Leben der Djoola. Die Beschreibungen sind alle auf französisch, ich versuche sie zu lesen aber ich verstehe nichts, so weit reichen meine Französisch-Kenntnisse nicht. Schade.

Wir haben Hunger aber das Restaurant an der Straße auf dem Weg hierher hatte geschlossen. Ein paar Schritte vom Museum entfernt gibt es einen Stand, wo Schuhe und Töpfe verkauft werden. Ich frage nach, ob es hier ein Restaurant gibt. Ja, gibt es und einer der Männer setzt sich zu uns ins Auto um uns hinzuführen. Nach wenigen hundert Metern stehen wir vor einem kleinen Haus, an dem ein Schild hängt: Restaurant chez Kapinta et Mado. Wir treten ein.

Wir werden sehr freundlich begrüßt und ja, es gibt was zu essen. Auf meine Frage, was es gibt (dafür reichen meine mickrigen Französischkenntnisse), bekomme ich zur Antwort: Poulet Yassa. Yassa ist ein Gericht mit vielen Zwiebeln und Poulet ist Hühnchen. Jepp, das nehmen wir!

Wir nehmen Platz im Garten, es ist ein großer Garten, wild und verwunschen. Unter großen Mangobäumen stehen zwei Tische, an einem sitzt eine Familie mit zwei Kindern. Sie kommen aus Bonn, leben aber für 3-4 Jahre in Dakar, die Frau arbeitet für die Deutsche Botschaft. Und jetzt machen sie Urlaub in der Casamance.

Die Vorspeise ist eine Art Salatplatte, mit geraspelter grüner Papaya, irgendeinem Meeresgemüse, gekochten Kartoffelscheiben und Tomaten. Es ist sehr, sehr lecker!

Der Hauptgang, das Hühnchen-Yassa, ist ebenfalls sehr lecker!

Nach dem Essen bleiben wir noch sehr lange dort sitzen, es ist einfach schön und gemütlich. Wir bekommen noch leckere Mandarinen aus dem Garten und hausgemachten Palmwein.

Václav und ich

Wir erfahren, dass Kapinta das Wort für Schreiner ist, abgeleitet von dem englischen Wort Carpenter. Und Mado ist der Name seiner Frau.

Und nach dem zweiten Glas Palmwein holt Kapinta seine Djoola-Gitarre und spielt etwas für uns.

Der Abschied fällt mir schwer, ich werde bestimmt noch mal hierher zurückkehren.

Kapinta und Mado

Attaya – die Kunst des Tee trinkens

Überall in Gambia und Senegal wird Attaya getrunken, ein Getränk aus grünem (Gunpowder) Tee und viel Zucker.

Er wird in kleinen emaillierten Kännchen gekocht, oft auf der Glut von Holzkohle. Für das Kochen nimmt man sich Zeit, viel Zeit. Es dauert eine gute halbe Stunde, bis der Attaya fertig ist.

Der Tee wird im Kännchen gekocht, mit viel Zucker. Allein das ist schon toll, denn es duftet oft nach Karamell.

Wenn der Tee lange genug vor sich hingeköchelt hat, beginnt das eigentliche Prozedere: Der Tee wird in ein kleines Glas geschüttet und wird ganz oft in ein zweites Glas umgeschüttet. Und dann geht das immer hin und her, einige Male. Danach kommt der Tee wieder zurück ins Kännchen und köchelt wieder ein paar Minuten. Und dann wird er wieder hin und hergegossen, von einem Glas ins nächste.

Mit der Zeit bildet sich eine dichte Schaumkrone, die entsteht durch den Zucker. Und diese verbleibt auch im Glas.

Wer jetzt denkt, der Attaya sei jetzt trinkfertig, der irrt. Er kommt wieder zurück ins Kännchen. Und so geht es weiter und weiter, etwa 1/2 Stunde. Dabei wächst diese typische Schaumkrone.

Wenn der Attaya trinkfertig ist, werden die Gläser von außen mit Wasser abgespült, damit sie nicht kleben (Zucker!). Und dann wird in hohem, dünnen Strahl der Tee in die Gläser gegossen.

Damit ihr eine Vorstellung davon habt, wie das Ganze abläuft, habe ich vor etwa 2 Jahren ein Video gedreht. Und habe 30 Minuten auf etwa 5 Minuten runtergeschnitten.

Es gibt immer nur zwei Gläser und die ersten beiden Gläser bekommen die, die in dieser Runde die wichtigsten, ältesten, ranghöchsten, was auch immer sind. Wenn die ersten beiden ausgetrunken haben, wird Attaya nachgeschüttet und die nächsten beiden bekommen ein Glas. Und nein, die Gläser werden zwischendurch nicht gespült.

Oft bekomme ich eines der beiden ersten Gläser, ein Zeichen der hohen Gastfreundschaft.

Wenn man den Attaya trinkt, lässt man die Schaumkrone im Glas. Niemals schleckt man diese Schaumkrone mit der Zunge oder dem Finger heraus!

Wenn ihr in Gambia oder Senegal Urlaub macht, sucht Attaya nicht auf der Getränkekarte, ihr werdet ihn nicht finden.

Geht zum Strand oder in die Viertel und wenn ihr jemanden seht, der Attaya kocht, fragt einfach, ob ihr probieren dürft. So habe ich das schon ganz oft gemacht.

Streetfood oder Frühstück unterwegs

Ich muss heute arbeiten, unterrichten, um genauer zu sein. Alle zwei Wochen unterrichte ich Deutsch, online für eine Frau in Tschechien. Ich freue mich immer auf unsere Stunde. Meine Studentin hat schon vor mir sehr viel gelernt und sie beherrscht die deutsche Sprache verdammt gut.
Sie sucht sich immer irgendein Thema aus, worüber wir diskutieren, ab und an machen wir etwas Grammatik.
Zum Arbeiten fahre ich in die Alliance Francaise.

Die habe ich neulich für mich entdeckt. Dieser Ort liegt in der City, etwas abseits des großen Marktes und ist wie ein schöner Park mit vielen Bäumen, Büschen, Blumen und vielen Tischen und Stühlen.
Es gibt hier eine Bücherei, viele Tische und Stühle, eine Bar, wo man Getränke kaufen kann.

Bücherei
„Sofies Welt“ als Comic

Und es gibt kostenfreies WiFi!
Tagsüber sind viele Studierende hier, um miteinander oder auch alleine für sich zu lernen.
Für mich ist es der perfekte Ort, ich habe hier Ruhe, viel Schatten und eben WiFi.



Aber ich habe noch nichts gefrühstückt, ich mache mich auf die Suche nach etwas Essbarem. Das ist, trotz Ramadan nicht weiter schwierig. An der Straße unweit der Alliance Francaise gibt es einige Stände, z.B. einen, wo eine Frau frittierte Krapfen verkauft. Sie hat einen Art Wok auf einer gusseisernen Feuerstelle, ihrem „Herd“ und daneben eine große Schale, wo sie die fertigen Krapfen liegen hat.
Ich kaufe fünf davon und zahle 250 xof (senegalesische Francs), das sind umgerechnet etwa 40 Cent.
An einem anderen Stand kaufe ich Bananen, fünf kleine für 500 xof und eine kleine Flasche (0,33 l) Bissap-Saft für 100 xof.
Bissap, so heisst hier der Saft, der aus den meist roten Hibiskusblüten gekocht wird. Diese Hisbiskusblüten haben nichts mit den Hibiskusblüten zu tun, die wir aus Deutschland kennen. Ich mag den Bissap-Saft sehr, sehr gerne.

Ich habe nur einen 5000 xof-Schein, die Frau hat nicht so viel Wechselgeld. Aber ein paar Meter weiter stehen ein paar Männer mit ihren Mopeds. Und einer von ihnen wechselt den Schein in 2x 2000 xof und 1x 1000 xof.
Übrigens: ich musste noch nie hier in Afrika Geld wechseln gehen. Das machen hier die Verkäufer*innen.
Zum Schluss kaufe ich noch einen kleinen Becher Kaffee an einem anderen Stand. Es ist der übliche lösliche Kaffee und er ist stark gesüßt aber heute morgen schmeckt mir der.

Mein Frühstück heute Morgen

Ich hatte echt große Bedenken wegen der Ramadan-Zeit aber es ist eigentlich wie immer. Denn es leben nicht nur Muslime in Ziguinchor, es gibt zahlreiche Christen und andere Religionen hier.
Und es gibt eben viel, viel Toleranz gegenüber anderen Religionen.

Ausspannen in Cap Skirring

Es ist Ramadan, meine Familie in Ziguinchor fastet. Sie essen und trinken nichts von Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang. Ich muss nicht fasten, weder gibt das meine Religion vor, noch wird es von mir erwartet. „Ist nicht deine Kultur“ sagt meine Familie. Ich darf essen und trinken, soviel ich will aber aus Rücksicht und Respekt tue ich dies auf meinem Zimmer.
Die Tage sind etwas langweilig, alle sind müde, hungrig, durstig…
Ich hatte mit meinem Mann vereinbart, dass ich zwischendurch einfach für ein paar Tage weg fahre. Hatte ich eh vor, bevor ich im November 2024 nach Gambia geflogen bin. Ich hatte mir damals vorgenommen, mir die Casamance anzuschauen.
Ich buchte mir eine Unterkunft, packte meine Kora, Ukulele, meine Kamera und ein bisschen Kleidung ins Auto und fuhr nach Cap Skirring.
Es ist nicht weit, etwas mehr als 65 km. Aber die Straße ist auch hier irgendwann nicht gut. Und so habe ich etwa zwei Stunden gebraucht.

Innenstadt Cap Skirring

Meine Unterkunft lag etwas ausserhalb von Cap Skirring, nördlich. Ich musste also durch das Zentrum und hielt dort, um ein bisschen durch die Geschäfte zu schlendern aber vor allem, um etwas zu essen, ich hatte Hunger.
Die Innenstadt von Cap Skirring ist laut und voll und es stinkt. Kein wirklich schöner Ort. Aber ich habe ein nettes kleines Restaurant gefunden und das Tagesgericht bestellt. „Sole“, das ist Seezunge, sie war mit viel Knoblauch gebraten. Dazu gab es Reis und Salat. Ja, Salat!
Es gibt ja die Regel: Fry it, boil it, peel it or leave it. Aber daran halte ich mich schon lange nicht mehr. Ich esse oft Salat hier: grüne Blattsalate, Tomaten, Gurken… das alles wird mit lokalem Leitungswasser gewaschen. Bisher hatte ich keine Probleme. Ich hoffe, es bleibt so.

Ich fahre zu meiner Unterkunft. Die letzten 2 1/2 Kilometer sind Sandpiste. Die ersten 2 Kilometer lassen sich ganz gut fahren, danach wird es so richtig sandig, so als würde man in der Wüste fahren.
Aber mein kleiner Ford Fiesta bringt mich ans Ziel und ein wenig natürlich auch meine Fahrkunst. 😉
Wer es gewohnt ist, auf Schnee und Glatteis zu fahren, der kommt auch mit Sand zurecht.

Später erfuhr ich, dass Taxifahrer es ablehnen, bis zur Lodge zu fahren, sie lassen ihre Fahrgäste 1/2 km laufen.

Ich habe dort ein echt schönes Zimmer, in einem kleinen runden Haus. Die Hälfte des Haus ist mein Zimmer. Die andere Hälfte ist ein anderes Gästezimmer. Und in diesem wohnt ein Paar aus Düsseldorf, die Welt ist mal wieder sehr klein. 😂

Viel Natur und viele Bäume in der
Lodge „Le Kibalaou“

Als erstes gehe ich zum Strand, der ist etwa 100 m weit entfernt, das Wellenrauschen hört man bis hierher und wird mich auch in der Nacht begleiten.

Privatstrand ohne Beachboys und lästige Verkäufer

Am Abend setze ich mich zu den beiden Düsseldorfern. Wir essen zusammen und quatschten noch bis Mitternacht.

Solltet ihr jemals nach Cap Skirring fahren, nehmt euch warme Kleidung mit! Es ist am Abend sehr kühl dort! Ich habe zum ersten Mal, seitdem ich in Gambia und Senegal bin, gefroren. 🥶

Am nächsten Tag fahren wir gemeinsam nach Boucotte, ins Joola-Museum „Kadioute“. Es ist kein klassisches Museum, sondern eines im Wald. Wir haben viel Spannendes erfahren und es gab tolle Bäume zu bestaunen.

Nach dem Museumsbesuch haben wir Hunger und wir fahren nach Kabrousse an den Strand. Und dort finden wir ein kleines Restaurant und essen sehr leckere Fischspiesse.

Jede Menge Kühe am Strand von Kabrousse

Am Tag meiner Abreise fahre ich noch nach Diébéring, ein ganz kleiner Ort nördlich von Cap Skirring. Mitten auf dem Dorfplatz steht ein riesiger Baobabbaum. Rund um den Baum ist ein kleiner Markt mit Obst, Gemüse, Kleidung, Haushaltswaren.

In einem Shop habe ich diese schönen Puppen entdeckt, sie werden von drei Frauen gefertigt und für umgerechnet 10€ verkauft. Der Erlös geht an eine Stiftung, die wiederum die örtliche Schule unterstützt. Ich habe natürlich eine gekauft und durfte als Dankeschön Fotos machen.

Umzug nach Ziguinchor

Es ist vieles passiert in den letzten Wochen.

Ich habe mich verliebt, in meinen Trommellehrer, der mich in Abene unterrichtet hat.
Er spielt auch Gitarre und wir haben zusammen gesungen, afrikanische Lieder.
Musik hat etwas Magisches, es hat zwischen uns geknistert und gefunkt.
Und ich habe etwas getan, was ich niemals für möglich gehalten hätte, ich habe ihn nach nur vier Wochen geheiratet. Es war eine traditionelle Mandinka-Hochzeit, mit vielen Kolanüssen.

Zwei Wochen nach der Hochzeit bin ich zurück nach Gambia, um mein kleines Apartment dort aufzulösen und mit all meinen Sachen nach Ziguinchor in Senegal zu ziehen. Denn mein Mann lebt dort.
Gottseidank hatte ich nicht allzu viel in meiner Wohnung in Gambia. Ein bisschen Geschirr, ein Gaskocher, ein Kühlschrank, ein Bett, vier Stühle, zwei Sessel, ein paar Tische (ein Esstisch und ein paar kleinere Beistelltische, mein Fahrrad und meine Kleidung…
Das war alles schnell gepackt.

Am Tag meines Umzuges wartete ich auf den Kleinbus aus Ziguinchor.
Er kam erst um 16 Uhr! Ich hatte ausdrücklich gesagt, die sollen ganz früh morgens losfahren, damit ich nicht im Dunkeln nach Ziguinchor fahren muss, die Straße dorthin ist mit hunderten von Schlaglöchern versehen. Es ist wirklich die schlimmste Straße, die ich jemals gefahren bin und ich bin sehr viel gefahren, in vielen Ländern.
Okay, ich dachte, es ist ja nicht viel, kann ja nicht lange dauern, bis alles im Auto ist.

Denkste! Es war ein Bus mit Sitzbänken und diese dürfen nicht beladen werden, verbietet die Polizei. Somit war nicht viel Platz im Bus und die beiden Männer spielten quasi Tetris. Das meiste kam auf Dach.
Bis alles verpackt war, war es 19 Uhr und da geht bereits die Sonne unter.
Ich stieg in mein Auto, gemeinsam mit Aladji, der Fahrer stieg in seinen Bus und wir machten uns auf den Weg.

Die Fahrt war furchtbar, es ist wirklich nicht schön, diese Strecke im Dunklen zu fahren.
Aber um kurz nach Mitternacht waren wir in Ziguinchor. Und alle waren da, um zu helfen, die beiden Autos zu entladen. Nachbarn, Freunde, Familie… sie alle sind wach geblieben, bis ich komme.
Sogar mein Bett haben sie noch aufgebaut.

Ich habe nun ein neues Zuhause. Ein Familiencompound in Ziguinchor mit Ehemann, zwei weiteren Ehefrauen, fünf Kindern im Alter von 3-19 Jahren, zwei Neffen und mit Schafen, Hühnern, Tauben und einem Hund. Bis Ende Mai werde ich noch hier bleiben und ich freue mich auf diese Zeit.

Und so sieht mein Zimmer aus. Während ich in Gambia war um den Umzug vorzubereiten, wurde der Fußboden gefließt und die Wände wurden schön verputzt und neu gestrichen. Demnächst kommt noch ein Stoffhimmel unter die Decke, damit das Wellblechdach verdeckt wird.
Und ich hoffe, ich finde ein paar schöne Bilder für die Wände.

Balafon und Kora

Kora spiele ich nun seit 1 1/2 Jahren. Oder besser, ich lerne auf ihr zu spielen. Hier in Abene hat Monika, die diesen dreiwöchigen Kurs organisiert, einen Koralehrer für mich gefunden. Ich hatte bereits von zuhause Kontakt mit seiner polnischen Frau aufgenommen und wir haben erstaunt festgestellt, dass wir uns bereits auf dem Afrobeats-Festival in Polen begegnet sind. Dort hat Modou das Festival mit seinem Kora-Konzert eröffnet und er hat den Gesangs-Workshop geleitet. Die Welt ist halt klein.

Ebenfalls hat Monika einen Balafonlehrer für mich organisiert, er heißt Demico und bringt zwei große Balafone mit.

Am ersten Tag lerne ich Salya. Natürlich nur die einfachere Begleitung. Demico spielt das Solo dazu. Es macht großen Spaß. Schade ist nur, dass Demico nur französisch spricht und wir schlecht miteinander kommunizieren können.

Auch auf der Kora mache ich Fortschritte. Ich merke, dass ich die Saiten endlich zuordnen kann, welche Saite hat welchen Ton und wo ist die dazugehörige Oktavseite. Und ich lerne ein besonders schönes Stück, es heißt Maki.

Bis ich aber dazu singen kann, wird es noch lange brauchen.

In meiner nächsten Balafonstunde lerne ich Bani Le, das kann ich bereits auf der Kora spielen. Überhaupt haben Balafon und Kora vieles gemeinsam, beide sind in F dur gestimmt, haben also die gleiche Tonleiter.

In jeder Stunde lerne ich etwas Neues und Demico hebt das Tempo an. Ich lerne nicht nur ein neues Stück, sondern zwei oder gar drei. Und er macht mir ein sehr schönes Kompliment: er sagt, dass manche seiner Schüler mehrere Wochen für das brauchen, was ich in einer Stunde lerne. Und auch, wenn ich finde, dass Lernen kein Wettbewerb ist, freue ich mich darüber.

Am letzten Abend kommt mein Koralehrer Modou mit seiner Frau Kasia zum Abendessen vorbei. Nach dem Essen gibt es für unsere Gruppe ein kleines Konzert. Und das erste Lied spielen wir gemeinsam: Maki. Ich bin sehr stolz auf mich.

Musik machen in Abene – zweiter Teil

Bereits am zweiten Tag habe ich gemeinsam mit Monika Trommelunterricht. Alle anderen aus der Gruppe sind absolute Anfänger:innen und Monika dachte sich, sie und ich könnten ein paar Extrastunden nehmen. Ich habe Mockoulo bereits gestern kennengelernt und wir vereinbaren 8 Unterrichtsstunden.

Ich habe schon einige Trommellehrer gehabt aber er ist der beste von allen. Er ist der erste, der auf meine Handposition achtet und der erste, der sagt, dass es nicht egal ist, welche Hand man benutzt. Er selbst ist Linkshänder, das macht es einfach für mich, ich kann ihn, wenn ich ihm gegenüber sitze, einfach spiegeln.

Nach dem Trommeln besuche ich Kasia und Modou Konte, meinen Kora-Lehrer hier in Abene. Modou ist nicht da, er ist in Ziguinchor, hat dort Auftritte und wird wohl erst Silvester wiederkommen.

Am Abend gehen wir wieder zum Festival und das Programm heute ist noch besser als gestern.

Diese Fusion von Spanien und Guinea gefiel mir besonders gut.