Packen für ein halbes Jahr: Was nicht verschifft wurde, kommt jetzt mit

Vom Bikini bis zur Backup-Festplatte – ein Koffer voller ganz normaler Notwendigkeiten.

Bevor ich für ein halbes Jahr nach Senegal fliege, packe ich weniger Kleidung als mein Leben.
Ein Teil ist schon im Container unterwegs – Bett, Matratze, Stühle, Tische, Küchenzeug – und zwei Gitarren.
Und was jetzt noch in den Koffer kommt, ist die Mischung aus Alltag, Restposten und „Ach stimmt, das brauche ich ja dort auch“.
Sieht nicht nach Abenteuer aus. Sondern nach Alltag.

Im August habe ich schon jede Menge Sachen per Container verschifft. Ich kenne jemanden, der regelmäßig Container nach Gambia schickt – da konnte ich meine paar Dinge einfach zuladen.
Ich wohne ja nicht im Hotel, sondern in meinem eigenen Haus.
Und so ein Haus will ausgestattet werden.

Bett, Lattenrost, Matratze, Bettdecke, Bettlaken, Stühle, kleine Tische, Geschirr, Töpfe, Besteck – und jede Menge Solarlampen. Ja, Solarlampen. Weil Strom in Abéné eher ein Vorschlag als Realität ist.
Klingt nach viel? Ist es auch.
Dazu habe ich ein paar Alltagsdinge mitgeschickt: Sonnenmilch, Mückenschutz, Zahnpasta, Gesichtswasser, Creme. Spart Platz im Koffer – und Nerven, wenn man alles erst vor Ort suchen müsste.

Aber wer jetzt denkt, ich könnte mit leichtem Gepäck reisen, irrt gewaltig. Tatsächlich bleibt noch jede Menge übrig, was ich bis zuletzt hier gebraucht habe oder woran ich erst jetzt gedacht habe. Geschenke für meine Familie in Senegal gehören natürlich dazu.
Unter anderem habe ich etwa 25 Lesebrillen in verschiedenen Sehstärken dabei, die ich verteilen werde.
Und ganz wichtig: Medikamente!
Schmerzmittel, Mittel gegen Durchfall und Verstopfung, Nasenspray, Augentropfen, Fiebersirup für Kinder, Antihistaminika, Verbandmaterial, ein Notfall-Antibiotikum, Magnesium und Jodtabletten für die Schilddrüse – alles im Gepäck.

Und Kaffee! Richtig guter Bohnenkaffee, in Abéné gibt es höchstens Espresso von Lavazza und den mag ich gar nicht so gerne.
Für meine Familie habe ich ganz viel löslichen Cappuccino eingepackt, die mögen den total gerne!
Außerdem habe ich eine Campingdusche und ein faltbares Solarpanel gekauft. Warum? Kein Strom, kein Wasser im Haus.
Die Dusche ist ein schwarzer Beutel, der sich in der Sonne aufheizt, das Solarpanel lädt Powerbanks – Handy, Laptop, Kameraakkus, alles wird versorgt.
Survival? Ein bisschen. Praktisch? Sehr.

Im Handgepäck: ein paar Sommerkleider – nicht viele, denn vieles habe ich schon in Senegal, und vor Ort kann man sich schöne Kleider nähen lassen.
Dazu kommen Powerbanks, externe Festplatten, USB-Batterien, Ansteckmikrofone, iPad, Laptop und alle Kabel, die man sich vorstellen kann.
Und der Fotorucksack: Kamera, ein paar Objektive, Kosmetik und Zahnpasta für die ersten Tage.

Insgesamt fliege ich mit 43 kg Gepäck, aufgeteilt auf drei Gepäckstücke. Sieht nicht nach Urlaub aus? Stimmt. Macht aber mein halbes Jahr Senegal nahezu perfekt.

Ein Haus wird gebaut

Mein Zuhause wächst – auch wenn ich weit weg bin

Im April habe ich das Grundstück kennengelernt, auf dem mein Haus oder unser Haus entstehen sollte. Es befindet sich ein bisschen abseits der Hauptstraße in Abéné, in einem grünen und baumreichen Gebiet.
Der Weg dorthin ist gesäumt von Cashewbäumen, ich habe im April noch Cashewfrüchte vom Boden aufgesammelt und gegessen.


Unzählige Vögel leben dort, es hat aus allen Richtungen gezwitschert. Ich erinnere mich an das Rauschen der Blätter und an den Geruch der Erde.
Damals war da nur wild bewachsenes Land mit hohem, vertrocknetem Gras.

Da also sollte das Haus entstehen.

Jetzt wächst dort etwas. Stein für Stein, gebaut von zahlreichen Händen.
Mein Mann Moctar erzählt mir regelmäßig, wie es vorangeht. Ich höre seine Stimme, höre vor allem die Müdigkeit nach dem langen Tag. Aber ich höre auch den Stolz darin und die Freude.
Und neulich hat er Fotos geschickt. Auf den Bildern sehe ich Mauern, die langsam Formen annehmen. Noch unfertig, aber schon jetzt kann man sehen, was es werden wird. Und es wird schön!

Das hier ist der Stand nach 6 Tagen Bauzeit

Ich betrachte jedes Detail, als wäre ich selbst dort. Den Schatten einer Mauer, die Fenster, durch die bald Licht fallen wird. Ich sehe den Ort, an dem ich einmal stehen werde – vielleicht barfuß, vielleicht mit einem Kaffee in der Hand. Ich sehe die Sitzecke auf der Veranda, wo ich mit meiner Kora sitzen werde oder auch mit Bekannten essen werde.
Zwischen den Fotos und seinen Erzählungen entsteht in mir ein Haus, das nicht nur aus Steinen gebaut ist, sondern aus Bildern, Worten und Sehnsucht.

Manchmal frage ich mich, wie es sein wird, wenn ich das erste Mal durch die Tür trete. Wenn die Vögel mich morgens beim Aufgehen der Sonne mit ihrem Zwitschern wecken werden.
Ob ich dort nachts, wenn alles ruhig ist, das Wellenrauschen von Atlantik hören kann?

Ich stelle mir vor, wie wir dort sitzen werden, unter den Bäumen, und das Gefühl haben: Wir sind angekommen.

Und hier nach 9 Tagen Bauzeit

Mein Mann sagt jedesmal: „Das wird dein Haus, Jana. Es wird dein Zuhause.
Ein Ort, an dem du glücklich sein sollst.“

Und jedes Mal, wenn ich das höre, spüre ich ganz viel Wärme in mir und ganz viel Liebe.
Noch nie hat jemand ein Haus für mich gebaut.
Dieses Haus ist mehr als ein Bauprojekt. Es ist ein Versprechen.
Eine Art Wurzel, die schon wächst, auch wenn ich gerade noch in Deutschland bin.

Manchmal wächst etwas, obwohl man weit weg ist. Und vielleicht wächst gerade dann am meisten – weil man spürt, dass die Verbindung stark genug ist, um auch über die Entfernung zu tragen.

Abéné – wenn Kunst ein Zuhause hat, dann hier

Ich weiss noch, als ich in Abéné ankam, fühlte ich mich wie in einem Soundcheck. Der Kleinbus, der unsere Gruppe brachte, stoppte vor dem Compound, das für die nächsten drei Wochen mein Zuhause sein sollte, die Tür ging auf — und bevor ich überhaupt einen Fuß auf den Boden gesetzt hatte, war ich schon drin in dieser Welt aus Trommeln und Tanzen.
Vor uns standen etliche Trommler und Tänzer*innen, die einen herrlichen Lärm für uns machten. Selten habe ich mich so willkommen gefühlt wie in dem Moment.
Und da war mir klar: Ich bin hier als Musikerin angekommen und nicht als Touristin.

Ankunft in Abéné

Sehr schnell habe ich mich in den kleinen Küstenort verliebt. Es ist unfassbar grün dort, Palmen, Cashewwälder, Mangobäume und Mangroven bilden ein sattgrünes und schattenspendendes Dach über den vielen Nebenstraßen.
Teilweise kam es mir vor, als würde hinter dem nächsten Baum der Urwald beginnen, der mich verschluckt.
Es ist relativ ruhig dort. Kein Massentourismus, keine unangenehme Belästigung auf den Straßen oder am Strand. Stattdessen freundliche und aufgeschlossene Menschen.

Und nicht zu vergessen der naturnahe breite und kilometerlange Sandstrand am Atlantik. Je nach Wind sind die Wellen mal flach und ruhig oder auch mal stürmisch und hoch. Am Abend hört man sie weit bis ins Dorf hinein.


Aber der Hauptgrund, warum Abéné mein Ort wurde:
Es ist ein Brutkasten für Kunst und speziell für Musik. Es gibt dort eine so hohe Dichte von Musiker*innen und Tänzer*innen aller Art, wie ich es noch nirgends erlebt habe. Dazu kommen dann noch Batikkünstler*innen, Maler*innen und so vieles mehr. Und all das macht die Luft dort aus.

Genau deshalb kommen Menschen aus unterschiedlichen Ländern hierher, weil sie Teil dieser speziellen Kunst- und Musikkultur sein wollen. Denn man ist hier nicht nur Zuschauer*in, sondern man ist Teil davon.
Und speziell in den Wintermonaten sind überall Workshops, von überall her tönt Musik, hauptsächlich Trommeln natürlich. Bis tief in die Nacht hinein. Ich habe es geliebt und habe verdammt gut mit der rhythmischen Musik im Hintergrund geschlafen.

Was mir auch angenehm auffiel: Abéné ist nach wie vor ein Ort für die Einheimischen. Ich habe dort keine Resorts oder Privatstrände gefunden, die für die einheimische Bevölkerung nicht zugänglich waren, so wie ich das z.B. auf Sansibar oder Kenia gesehen habe.

Ich freue mich riesig auf mein Winter-Zuhause! Von nun an jedes Jahr von Dezember bis April/Mai.
Und wer weiss, vielleicht treffen wir uns dort?


Allgemeine Informationen:
Abéné liegt an der Atlantikküste im Süden Senegals und gehört zur historischen Region der Casamance. Es ist ein Küstendorf mit Strandlage, Mangroven, Wald-/Sumpfgebiet in der Umgebung.
Hier leben etwa 2000-3000 Einwohner*innen, es gibt keine aktuellen Zahlen. 2002 waren es 1935 Einwohner*innen.
Hauptsächlich sind es Angehörige der Ethnien der Diola (Jola) und Mandinka.
Neben den lokalen Sprachen wie Diola oder Mandinka wird Französisch gesprochen, durch die Nähe zu Gambia können viele aber auch Englisch.

Noch 3 Wochen bis Senegal

In genau 21 Tagen geht es wieder los.
Nicht in den Urlaub. Nicht auf eine Bühne. Nicht auf eine touristische Reise.

Ich fliege zurück in die Casamance, diesmal an die Küste, nach Abene — ein Ort, den ich letztes Jahr lieben gelernt habe und an dem ich einige Wochen verbracht habe.
Dieses Mal wartet ein kleines Häuschen auf mich, es wird gerade gebaut. Und ich hoffe, dass es rechtzeitig fertig wird. Mein eigenes Zuhause, mitten in meinem anderen Leben.

Auf diesem Grundstück wird das Haus gebaut

Ich freue mich darauf, wenn ich das erste Mal die Tür aufschließen und die Zimmer betreten werde. Ich freue mich auf das Licht, auf die Sonnenstrahlen, die durch die Türen fallen, die vielen Bäume und die hunderte zwitschernde Vögel.

Ich nehme euch mit zu meinem künftigen Haus


Ich freue mich auf die kleinen Räume, die ich gestalten werde, und auf den Alltag, der mich erwartet. Im Juli/August habe ich bereits etliche Dinge per Container nach Afrika geschickt: ein neues Bett, Lattenrost und Matraze, Stühle, Tische, Garderoben, Küchenzubehör, Sonnenmilch und Mückenschutzmittel und andere Drogerieartikel für 6 Monate und zwei Gitarren. Eine für mich und eine für meinen Mann.

Seit über fünf Monaten habe ich meinen Mann nun nicht mehr gesehen. Fünf Monate!Das klingt nach einer langen Zeit, und das ist es auch.
Aber jeder Tag ohne ihn hat mir bewusst gemacht, dass wir dennoch miteinander verbunden sind, auch wenn uns mehr als 6000 km voneinander trennen.

Ich freue mich auf alles, was mich in Abene erwarten wird

Musik: Kora üben, neue westafrikanische Lieder lernen, trommeln, verschiedene Rhythmen spüren.

Strand und Natur: Tägliche Spaziergänge am Meer, der Wind, das Licht, die Geräusche der Casamance.

Marktleben: Obst, Gemüse, frischer Fisch, die Düfte der Gewürze, bunt gebatikte Kleider, Menschen, die lachen und handeln.

Freunde und Bekannte: Wiedersehen, Gespräche, gemeinsames Kochen, Musikabende.

Meine Koffer sind bereits halb gepackt: Technik für Fotos und Videos, Laptop, Mikrofone, Powerbanks, Solarpanels, Geschenke für die Menschen, die mir am Herzen liegen, etwa 30 Lesebrillen in verschiedenen Stärken zum Verschenken und ein bisschen Kleidung. Vieles ist schon von letztem Mal vor Ort.

Es fühlt sich an wie ein Comeback in ein Leben, das ich teilweise schon kenne, und gleichzeitig wie ein neues Kapitel. Ich weiß, dass ich viel lernen werde, nicht nur musikalisch, sondern über Menschen, Orte und über mich selbst.

Ich nehme euch wieder mit. Ich zeige euch, wie es ist, wieder in ein Leben einzutauchen, das man liebt. Ohne Filter, ohne Kitsch – nur echt, aus der Perspektive einer, die mittendrin lebt und gespannt ist, was kommt.

Ende gut, alles gut

Heute morgen dachte ich noch, ich werde meinen Flug verpassen.
Aber der Reihe nach. Gestern lief unser Passavant ab. Das ist diese spezielle Einfuhrgenehmigung fürs Auto. Es war 30 Tage gültig und ausgerechnet gestern endeten diese 30 Tage.
Moctar, mein senegalesischer Ehemann wollte sich um die Verlängerung kümmern aber er war zwei Tage in Kafountine und sein Bus hatte ordentlich Verspätung, da hatte das Amt schon geschlossen.
Er fuhr zur Grenze nach Guinea-Bissau, das ist von Ziguinchor etwa eine halbe Stunde entfernt. Aber die Grenze schließt abends um 18 Uhr.
Mist, ohne Passavent können wir nicht fahren, wir müssen also morgen früh zum Amt und diese Verlängerung machen lassen.
Aber das Amt öffnet zwischen 9:30 Uhr und 10 Uhr, afrikanische Zeit

Ich dachte okay, wir packen alles ins Auto, fahren dort kurz hin und fahren dann weiter. Aber wir mussten mit dem Taxi fahren, denn wären wir in eine Polizeikontrolle gekommen – und von denenb gibt es viele – hätten wir ein Problem gehabt.

Wir also mit dem Taxi hin. Das Büro war gottseidank schon geöffnet und niemand sonst wartete. Der Officer war sehr nett und gab uns sofort den Stempel.
Also mit dem Taxi wieder zurück.
Es war etwa 10:15 Uhr, als wir zurückkamen und wir mussten uns nur noch ins Auto setzen.

Der Abschied von allen fiel mir schwer aber ich komme ja wieder.

Kurz hinter Ziguinchor wurden wir kontrolliert. Diesmal ging es nicht um Passavant oder Führerschein sondern um mein Gepäck. Meine Handtasche und mein kleiner Koffer wurden durchsucht. Drogen, speziell Gras. Ich schaute belustigt zu, ich hab ja noch nie in meinem Leben Drogen konsumiert. Und ein bisschen habe ich bedauert, dass ich nicht wenigstens einen anständigen Dildo im Koffer hatte.

Der Rest der Fahrt bis zur Grenze war dann unproblematisch. Unterwegs kauften wir noch Mangos, ich hatte versprochen, Mangos mitzubringen.
In Bignona habe ich 8 Mangos für 1000 cfa bekommen, das sind umgerechnet etwa 1,50 Euro.
Auch an der Grenze gab es keine Probleme. Wir waren so gut in der Zeit, dass wir noch was essen konnten.

Und nun sitze ich am Flughafen und warte auf meinen Check-in. Mein Mann ist bereits zurückgefahren, denn die Grenze zwischen Gambia und Senegal schließt um 19 Uhr. Und je nachdem, wie der Verkehr ist, würde es knapp werden. Ausserdem ist die Straße von Diouloulou nach Ziguinchor im Dunkeln nicht gut zu fahren.

Hinter mir liegt nun ein halbes Jahr Afrika.
Ich wollte ursprünglich 1/2 Jahr in Gambia bleiben und dort viel in Sachen Musik lernen: hauptsächlich traditionelle Mandinka-Songs, Kora spielen, trommeln.
Drei Wochen wollte ich in Abene (Senegal) verbringen, ich hatte mich dort zu einem Workshop angemeldet.
Ich wollte fotografieren, hauptsächlich Menschen, Frauen.

Ich hatte von allem etwas. Ich hatte mich getrennt (ich war zwei Jahre mit einem Mann in Gambia zusammen) und den Dezember habe ich alleine sehr genossen. Ich kenne etliche Menschen in Gambia, ich hatte viel Besuch, hab viel unternommen, hab mich mit vielen Bekannten getroffen.

Und dann kam Abene und ich hab mich neu verliebt. Das war weder geplant noch gewollt. Aber irgendwas hat mein Herz berührt.

Ich hab (traditionell) geheiratet, bin von Gambia nach Senegal gegangen Und hier habe ich einen absolut authentischen Blick vom Leben in der Casamance bekommen.

Ich habe meine Lieder gelernt, ich habe Fortschritte auf der Kora gemacht.

Ich könnte jetzt noch so viel mehr schreiben aber alles in allem war es eine aufregende, wertvolle und sehr schöne Zeit für mich, mitunter hat sie mich an meine Grenzen gebracht.

Ich nehme sehr vieles mit. Und ich werde wiederkommen, nächsten Winter.

Besuch auf dem Polizeirevier

Was wäre 1/2 Jahr Afrika ohne das Erlebnis, mit der korrupten Polizei Bekanntschaft gemacht zu haben?
Genau, gar nichts wäre das. Und deshalb nehme ich am Ende meiner Reise noch ordentlich was mit. Es geht um einen Führerschein und darum, dass man mein Auto als Pfand benutzen wollte, um eine halbe Million CFA zu erpressen.

Das Polizeirevier von außen

Aber der Reihe nach: ich habe mir letztes Jahr im Dezember in Gambia ein Auto gekauft, ich wollte ja ursprünglich das halbe Jahr in Gambia bleiben. Eigentlich hatte ich dort schon ein Auto, einen schwarzen Mercedes, C-Klasse. Das hat mein Ex-Freund von meinem Geld gekauft. Und nachdem er sich von mir getrennt hat, um eine andere zu heiraten, hat er sich mit dem Auto aus dem Staub gemacht. Aber das ist eine andere Geschichte, die ich vielleicht ein anderes mal erzählen werde.

Also, ich habe ein Auto mit gambischem Nummernschild. Und nun bin ich ja seit Ende Januar nebenan in Senegal. Wer denkt, das wäre ähnlich wie mit dem deutschen Auto nach Holland, Frankreich oder sonstwo in Europa zu fahren, irrt.

Man braucht nämlich eine Extragenehmigung, um das Auto aus Gambia auszuführen und in Senegal einzuführen. Die gambische Seite macht keine Probleme. Die haben mir das erste Mal 30 Tage und das zweite Mal 90 Tage aufgeschrieben, das reicht bis zu meinem Rückflug. Und die wollten gerade mal 100 Dalasis dafür, das sind nicht mal 1,50 €.

Aber die Senegalesen zicken rum. Die geben maximal 30 Tage und die kosten 7500 CFA, das sind 11,50 €. Man muss also vor Ablauf des Passavant zur Zollbehörde oder aber zur Grenze (Gambia oder Guinea-Bissau) und verlängern. Kostet jedesmal 11,50 €

Mein senegalesischer Mann hat einen senegalesischen und gambischen Führerschein. Wenn er mit meinem Auto fährt und kontrolliert wird, zeigt er den gambischen Führerschein. Und glaubt mir, mit gambischen Nummernschild wird man immer kontrolliert. Und die finden immer irgendwas, für das sie leider, leider eine Strafe erheben müssen. Z.B. weil man keinen Feuerlöscher im Auto hat. Oder weil man kein zweites Warndreieck hat. Oder weil man eine Kora hinten auf dem Rücksitz hat. Oder weil man mit Flip-Flops Auto fährt…

In der Regel sind es kleine Beträge, mal 2000 CFA, mal 3000 oder auch schon mal 6000…

Aber gestern hieß es, man darf keinen gambischen Führerschein haben, wenn man keinen festen Wohnsitz in Gambia hat. Und wir mussten zur Polizeiwache, höhere Dienststelle. Als erstes haben sie meinem Mann den Autoschlüssel abgenommen. Ich hätte den ja nicht rausgerückt. Und dann kam der Hammer: 500.000 CFA Strafe, das ist eine halbe Million und in etwa das Budget fürs Essen für 5 Monate! Die wollten mein Auto als Pfand behalten, bis wir das Geld zahlen.

Was sich auf der Polizeiwache abspielte, war unglaublich!

Wir saßen im Büro, mit dem diensthabenden Offizier und einer seiner Kolleginnen. Man hat uns halt die Kosten um die Ohren gehauen und danach haben sich die beiden anderen Dingen zugewendet. Es wurden Briefe diktiert und aufgeschrieben, irgendeine Ortschaft bei Google Maps gesucht, sie gingen Akten durch usw.

Der Wartebereich

Irgendwann durften wir aus dem Büro entlassen, um im Flur zu warten. Ich hab mir währenddessen etwas zu Essen geholt.

Insgesamt haben wir vier Stunden dort verbracht, danach ging ein Mitarbeiter mit uns zum Auto, damit wir unsere Sachen dort herausholen können.

Und da bin ich wütend geworden. Ich bin zu dem Offizier, der mittlerweile draußen stand, und habe (auf französisch!) mit Bestimmtheit und Nachdruck gesagt, dass das mein Auto ist und ich mir nichts zuschulden kommen lassen habe und ich jetzt mit meinem Auto nach Hause fahren möchte. Dass das Auto vollgepackt ist, weil ich drei Wochen weg war. Dass ich Musikinstrumente im Auto habe, sowie Laptop und eine komplette Kameraausrüstung und Koffer usw.

Ich habe den Autoschlüssel bekommen, musste aber meinen Ausweis da lassen. Immerhin war ich so schlau und habe meinen Personalausweis dort gelassen und nicht meinen Reisepass. Man weiß ja nie. Morgen müssen wir wiederkommen. Ich weiß noch nicht, wie wir das Lösen aber ich werde meinen Autoschlüssel nicht hergeben.

Fortsetzung folgt…

Zurück nach Abéné

Seit Dienstag bin ich wieder in Abéné, ganz im Norden der Casamance oder knapp unterhalb der Grenze zu Gambia. Zum Einen, weil ich die Hitze in Ziguinchor nicht mehr ertragen habe, wir hatten dort seit über vier Wochen Temperaturen zwischen 38 und 41 Grad, mein Zimmer dort glich einem Backofen. Zum Anderen aber auch, weil ich dringend an meinem Musikprogramm arbeiten muss. In 3 1/2 Wochen fliege ich zurück und so wie es ausschaut, habe ich vielleicht am 30.5. mein erstes Konzert mit westafrikanischen Liedern.

Ich habe eine Menge Lieder mit der wunderbaren Adama Cissokho gelernt aber ich muss sie arrangieren. Manche der Lieder haben nur eine Strophe und werden schnell langweilig, ich bin ja weder Chor noch Orchester, sondern stehe alleine mit meiner Ukulele oder Gitarre auf der Bühne.

Meine tschechische Bekannte Monika hat mir auf ihrem Grundstück Unterschlupf gewährt, hier war ich ja bereits im Januar zum Trommeln, Tanzen, Balafon- und Koraspielen. Hier gibt es viel Platz und vor allem eins: Ruhe. Denn die brauche ich, um mich musikalisch-kreativ auszutoben.

Kaira heißt Frieden und Kunda heißt Familie, beide Wörter entstammen aus dem Mandinka

Am Mittwoch bin ich mit Fieber aufgewacht. Na klasse, dachte ich mir, das fängt ja gut an. Wahrscheinlich irgendein Darminfekt, denn ich kam vom Klo nicht runter. Und so habe ich den Tag abwechselnd in meiner Hängematte und meinem Bett verbracht.

Am Abend ging es mir trotz 38,2 Grad Fieber so gut, dass ich ein paar Lieder arrangiert habe. Noch nicht die finale Fassung aber der Anfang ist gemacht.

Am nächsten Morgen war zumindestens das Fieber wieder runter. Ich nutzte den Vormittag zum spielen und üben. Erst auf der Ukulele, dann auf der Kora, dachte ich…

Aber eine der Stimmmechaniken ließ sich nicht mehr nach oben bewegen. Ausgerechnet die B-Saite auf der linken Seite. Die brauche ich in jedem Lied!

Was tun? Ich beschloss, aus der Not eine Tugend zu machen und zum Strand zu gehen. Der Weg zum Strand führt am Haus meines Kora-Lehrers Modou Konté vorbei. Und er war gerade draußen. Was ein Glück! Ich fragte ihn, ob er vielleicht eine Ersatzmechanik hätte… Ja! Hat er!

Und so änderte ich schnell meinen Plan, holte die Kora und lief zurück.

Doch bevor Modou meine Kora reparierte, gab es erst mal was zu Essen, Modou hatte nämlich gekocht.

Anschließend haben wir gejamt, mit Kora und Gitarre und viel Gesang, ich kann ja nun einige der typischen westafrikanischen Mandinka-Songs. Und dann gab es noch ein kleines Privatkonzert für uns, er hat zur Zeit nämlich noch einen Gast aus Frankreich bei sich.

Cashews

Die Provence in Frankreich ist für seine Lavendelfelder bekannt. Apulien in Italien für seine Olivenbäume und die Casamance in Senegal ist bekannt für seine Cashews. Überall stehen Cashewbäume, mal nur vereinzelt, mal ganze Wälder oder Alleen.

Und die Ernte ist jetzt bzw. beginnt gerade, je nachdem, ob es sich um eine frühe oder späte Sorte handelt.

Cashew-Allee im Süden der Casamance

Bislang kannte ich nur die Cashewkerne, also Nüsse, die man bei uns in Deutschland in nahezu jedem Geschäft kaufen kann. Aber der Cashewbaum hat weitaus mehr zu bieten.

Auf dem Baum wachsen Früchte. Mal sind sie gelb, mal rot. Je nach Sorte. Sie werden in Deutschland gerne Cashewäpfel genannt, obwohl sie so gar nichts mit einem Apfel gemeinsam haben. Und unter dieser Frucht sitzt der Cashewkern, also die Nuss, verpackt in einer dicken Schale.

Was ich bis vor kurzem nicht wusste, die Früchte kann man essen oder auch auspressen, sie sind voller Saft!

Der Saft schmeckt fruchtig und nicht zu süß. Das Fruchtfleisch hingegen ist leicht herb und hinterlässt gerne ein pelziges Gefühl im Mund und auf der Zunge.

Ich zutzele die Früchte aus, kaue endlos auf ihnen herum, bis nur noch der Trester übrig ist. Darüber freuen sich unsere Schafe und Hühner.

Man kann die Früchte auch auspressen, dann hat man köstlichen Saft. Ich werde nächsten Winter meine Saftpresse mitnehmen.

Die Cashewkerne dreht man einfach ab und lässt sie für 1-3 Tage an der Sonne trocknen. Danach werden sie gekocht. Die Schale enthält nämlich ein extrem hautreizendes Öl, das die oberste Hautschicht der Hände einfach wegätzt.

Deshalb ist es wichtig, beim Kauf der Nüsse nicht nur auf der Qualität zu achten, sondern auch auf das Herstellungsverfahren. Werden gesundheitliche Standards eingehalten usw.

Die Regierung setzt übrigens einen Preis für die geernteten Nüsse fest, der nicht unterschritten werden darf. Sie schützen so die Farmer, sich gegenseitig zu unterbieten bzw. von Käufern ausgebeutet zu werden.

Nach dem Kochen werden die Schalen geöffnet und die Nuss wird manuell aus der Schale gepult. Das ist nicht nur anstrengend sondern auch sehr zeitintensiv.

Abschließend kann die Nuss entweder „roh“ verzehrt werden oder geröstet. Hier werden Nüsse traditionell in einer Art Wok auf offenem Feuer geröstet. Damit sie nicht verbrennen, kommt Sand in den Wok. Dieser wird wieder ausgesiebt. Aber manchmal knirscht es trotzdem ein bisschen zwischen den Zähnen.

Und nun noch etwas Persönliches: meinem Mann gehört ein etwa 1,5 Hektar großes Stück Land zwischen Ziguinchor und Guinea-Bissau. Darauf befinden sich weit über 100 Cashewbäume. Vereinzelt fallen die Nüsse schon aber die Haupternte kommt erst noch, es ist eine der späten Sorten. Später in der Regenzeit gibt es noch eine zweite Ernte.

Spaziergang durch „mein“ Cashewwäldchen

Start up in Sawane-Kunda

Kunda heißt übersetzt Familie. Und der Name der Familie ist Sawane. Sawane-Kunda heißt also so viel wie Familie Sawane.

In dem Haus, in dem auch ich mein Zimmer habe, war noch ein unbenutzter Raum, direkt an der Straße. Und es gab Pläne, hier einen Frisörsalon zu eröffnen. Dafür musste ein bisschen umgebaut und renoviert und investiert werden. Gemeinsam haben wir eine Geschäftsidee angeschubst, um die Familienkasse aufzubessern.

So sah der Raum Ende Januar 2025 aus

Es wurde auch sofort losgelegt. Wände wurden verputzt und zur Straße hin wurde ein Durchbruch für die Eingangstür geschaffen.

Die Tür wurde geliefert und eingesetzt.

Und dann geschah längere Zeit nichts. Doch plötzlich wurden wieder alle sehr aktiv, das Ende des Ramadan nahte und damit Korité, das sogenannte Zuckerfest. Da möchte jeder schöne Haare haben.

Die Wände wurden knallblau gestrichen und ein Spiegel an der Wand angebracht.

Vor Korité brummte der Laden. Einmal Haareschneiden für Kinder kostet 500 XOF (senegalesische Franc), das sind umgerechnet 76 Cent. Und für erwachsene Männer kostet es 1000 XOF, also ungefähr 1,50 €.

Aladji schnitt und rasierte non-stop, bis tief in die Nacht. Ich hoffe, das bleibt so und die Kunden kommen nicht nur wieder sondern bringen auch noch neue Kunden mit.

In Zukunft sollen auch Frauen hier die Haare gemacht werden. Da wird es dann aber nicht um Schneiden gehen, sondern um Verlängern, um geflochtene Rastazöpfe, Dreads usw.

Ich wünsche Sawane-Kunda viel viel Glück und Erfolg!

Das Restaurant am Ende der Welt

Mir war nach einem Ausflug zum Ende des Ramadans. In Ziguinchor war es mir zu hektisch. Ich hab ja schon so meine Schwierigkeiten mit den Weihnachtsvorbereitungen und Einkäufen bei uns in Deutschland aber die Vorbereitungen für Korité sind noch sehr viel extremer.

Ich hatte mir Mlomp ausgesucht, ein kleiner Ort bei Oussouye auf dem Weg nach Cap Skirring, etwa 45 Minuten mit dem Auto. Es gibt dort ein kleines Djoola-Museum. Mein tschechischer Bekannter Václav begleitet mich.

Das Museum ist wirklich winzig, es besteht aus einer kleinen runden Lehmhütte.

Innendrin ein paar Exponate über das traditionelle Leben der Djoola. Die Beschreibungen sind alle auf französisch, ich versuche sie zu lesen aber ich verstehe nichts, so weit reichen meine Französisch-Kenntnisse nicht. Schade.

Wir haben Hunger aber das Restaurant an der Straße auf dem Weg hierher hatte geschlossen. Ein paar Schritte vom Museum entfernt gibt es einen Stand, wo Schuhe und Töpfe verkauft werden. Ich frage nach, ob es hier ein Restaurant gibt. Ja, gibt es und einer der Männer setzt sich zu uns ins Auto um uns hinzuführen. Nach wenigen hundert Metern stehen wir vor einem kleinen Haus, an dem ein Schild hängt: Restaurant chez Kapinta et Mado. Wir treten ein.

Wir werden sehr freundlich begrüßt und ja, es gibt was zu essen. Auf meine Frage, was es gibt (dafür reichen meine mickrigen Französischkenntnisse), bekomme ich zur Antwort: Poulet Yassa. Yassa ist ein Gericht mit vielen Zwiebeln und Poulet ist Hühnchen. Jepp, das nehmen wir!

Wir nehmen Platz im Garten, es ist ein großer Garten, wild und verwunschen. Unter großen Mangobäumen stehen zwei Tische, an einem sitzt eine Familie mit zwei Kindern. Sie kommen aus Bonn, leben aber für 3-4 Jahre in Dakar, die Frau arbeitet für die Deutsche Botschaft. Und jetzt machen sie Urlaub in der Casamance.

Die Vorspeise ist eine Art Salatplatte, mit geraspelter grüner Papaya, irgendeinem Meeresgemüse, gekochten Kartoffelscheiben und Tomaten. Es ist sehr, sehr lecker!

Der Hauptgang, das Hühnchen-Yassa, ist ebenfalls sehr lecker!

Nach dem Essen bleiben wir noch sehr lange dort sitzen, es ist einfach schön und gemütlich. Wir bekommen noch leckere Mandarinen aus dem Garten und hausgemachten Palmwein.

Václav und ich

Wir erfahren, dass Kapinta das Wort für Schreiner ist, abgeleitet von dem englischen Wort Carpenter. Und Mado ist der Name seiner Frau.

Und nach dem zweiten Glas Palmwein holt Kapinta seine Djoola-Gitarre und spielt etwas für uns.

Der Abschied fällt mir schwer, ich werde bestimmt noch mal hierher zurückkehren.

Kapinta und Mado