Was passiert in mir, wenn noch nichts abgeschlossen ist und ich dennoch weitergehe?
Die letzten Tage ist sehr viel passiert aber nichts ist zu Ende gegangen. Ich schreibe also über lose Fäden, Anfänge und über ungelegte Eier. Ich schreibe aus Gambia, ich habe mir eine Woche Urlaub genommen. Klingt lustig? Ist es auch.
Eigentlich wollte ich meine Autoversicherung erneuern und Bekannte und Freunde besuchen, die ich seit einem Jahr nicht gesehen habe.
Nach zweieinhalb Stunden Fahrt stand ich in Sanyang am Strand, wo ich mir ein Zimmer gebucht habe.
Und seitdem geht es bäng-bäng-bäng.
Ich treffe meinen besten Freund hier, der mir bei der Autoversicherung hilft und mein Auto für einen Ölwechsel in die Werkstatt bringt. Ich treffe Marie, eine bezaubernde Frau aus Schweden, die in Sanyang die Mama Mia’s Bar betreibt – dort werde ich am Samstag singen. (Wie seltsam: Ich schreibe über etwas, das noch nicht passiert ist, und wenn ihr das lest, ist es bereits Vergangenheit.)
Ich begegne vielen Bekannten: am Strand, auf dem Markt, bei ihnen zu Hause. Alles greift ineinander, ohne dass ich es geplant hätte.
Am Freitag bin ich im Bird Garden, einem Veranstaltungsort mit vielen Bäumen und Pflanzen.
Die Manding Maballa Band spielt. Ich kenne sie seit drei Jahren, und wie so oft darf ich mitsingen: Miniyamba.
Ein Koraspieler, ein paar Trommeln. Keine Probe. Und trotzdem passt alles.
Immer wieder fasziniert mich das.
Eine Gruppe spanischer Zahnärzte ist auch dort. Sie sind für ein paar Tage hier, um Menschen in Sanyang freiwillig zu behandeln. Sie laden die Band und mich für kommenden Donnerstag zu einer Party ein. Und ja – das macht mich stolz.
Auch in Abene warten weitere Auftritte auf mich. Vieles fügt sich gerade, ohne dass ich es festhalte oder absichere.
Es fühlt sich an, als würde alles von alleine laufen. Aber vielleicht stimmt etwas anderes mehr:
Ich lasse es laufen.
Nicht alles ist abgeschlossen. Nicht alles ist geklärt. Und doch gehe ich weiter.
Genau darin liegt im Moment meine größte Ruhe und meine größte Stärke.