Im Dazwischen

Was passiert in mir, wenn noch nichts abgeschlossen ist und ich dennoch weitergehe?

Die letzten Tage ist sehr viel passiert aber nichts ist zu Ende gegangen. Ich schreibe also über lose Fäden, Anfänge und über ungelegte Eier. Ich schreibe aus Gambia, ich habe mir eine Woche Urlaub genommen. Klingt lustig? Ist es auch.
Eigentlich wollte ich meine Autoversicherung erneuern und Bekannte und Freunde besuchen, die ich seit einem Jahr nicht gesehen habe.

Nach zweieinhalb Stunden Fahrt stand ich in Sanyang am Strand, wo ich mir ein Zimmer gebucht habe.
Und seitdem geht es bäng-bäng-bäng.

Ich treffe meinen besten Freund hier, der mir bei der Autoversicherung hilft und mein Auto für einen Ölwechsel in die Werkstatt bringt. Ich treffe Marie, eine bezaubernde Frau aus Schweden, die in Sanyang die Mama Mia’s Bar betreibt – dort werde ich am Samstag singen. (Wie seltsam: Ich schreibe über etwas, das noch nicht passiert ist, und wenn ihr das lest, ist es bereits Vergangenheit.)
Ich begegne vielen Bekannten: am Strand, auf dem Markt, bei ihnen zu Hause. Alles greift ineinander, ohne dass ich es geplant hätte.

Am Freitag bin ich im Bird Garden, einem Veranstaltungsort mit vielen Bäumen und Pflanzen.
Die Manding Maballa Band spielt. Ich kenne sie seit drei Jahren, und wie so oft darf ich mitsingen: Miniyamba.
Ein Koraspieler, ein paar Trommeln. Keine Probe. Und trotzdem passt alles.
Immer wieder fasziniert mich das.

Eine Gruppe spanischer Zahnärzte ist auch dort. Sie sind für ein paar Tage hier, um Menschen in Sanyang freiwillig zu behandeln. Sie laden die Band und mich für kommenden Donnerstag zu einer Party ein. Und ja – das macht mich stolz.

Auch in Abene warten weitere Auftritte auf mich. Vieles fügt sich gerade, ohne dass ich es festhalte oder absichere.

Es fühlt sich an, als würde alles von alleine laufen. Aber vielleicht stimmt etwas anderes mehr:
Ich lasse es laufen.

Nicht alles ist abgeschlossen. Nicht alles ist geklärt. Und doch gehe ich weiter.
Genau darin liegt im Moment meine größte Ruhe und meine größte Stärke.

Aus alt wird neu

Es gibt Investitionen, die fühlen sich nicht nach Luxus an, sondern nach Konsequenz.

Letztes Jahr habe ich mir in Senegal eine Kora fertigen lassen. Damit ich eine gute Zuhause in Deutschland bzw. Tschechien habe und eine gute hier in Senegal. Es kostet schließlich jedesmal 90€, sie im Flugzeug mitzunehmen. 3x fliegen = 1 neue Kora.

Ich hatte bei meiner damaligen alten Kora das Problem, die F-Oktave zu greifen. Deshalb ließ ich eine Kora bauen, wo die Haltestäbe näher beieinander stehen, so war es leichter, die Oktave zu greifen.

Aber in wenigen Wochen merkte ich, es ist nicht meine Kora, irgendwas ist nicht richtig, sie sitzt nicht. Ich konnte zwar die beiden F-Saiten gemeinsam greifen aber dafür hatten die Finger nicht ausreichend Platz für die hinteren Saiten, was das Spielen einiger Passagen deutlich erschwerte.

Letztendlich flog ich mit der alten Kora nach Hause und habe während des Sommern gemerkt, es ist nur eine Frage des Übens. Am Ende des Sommers hatte ich keine Probleme, die Oktavseiten zu greifen.

Ende November flog ich nach Senegal und meine anfängliche Freude auf meine Kora verflog ähnlich schnell wie der Flug von Düsseldorf nach Banjul.

Und so traf ich eine Entscheidung. Eine neue Kora musste her. Ich fragte meinen Koralehrer Modou Konté, ob er die Haltegriffe versetzen kann. Aber die Antwort war, wie ich erwartet hatte: nein.

Aber er schlug mir vor, eine neue Kalebasse zu kaufen und diese zu bespannen und die restlichen Komponenten von meiner alten Kora zu nehmen, das würde die Kosten erheblich reduzieren.

Obwohl es immer noch viel Geld für mich war, traf ich diese Entscheidung. Als Musikerin muss ich Prioritäten setzen und die hier war ganz klar.

Ein paar Tage später brachte ich Modou meine Kora und er zerlegte sie in ihre Einzelteile. Die neue Kalebasse war bereits bespannt und einen Tag später konnte ich meine „neue alte Kora“ wieder abholen.

Und was soll ich sagen, es war Liebe auf den ersten Blick! Sie spielt sich verdammt gut! Und darum geht es ja.

Manchmal sind Abschiede und Anfänge nicht klar voneinander zu trennen. Gestern noch die zerlegte Kora, heute schon neue Klänge. Das ist wie ein leises Versprechen: Alles, was geht, macht Platz für etwas, das bleibt – oder vielleicht sogar noch stärker wird. Jede Veränderung, so klein oder groß sie auch sein mag, hat ihren eigenen Rhythmus Heute beginnt er für mich neu.

Eine Woche voller Rhythmus. Und dann Stille.

Die letzten Tage waren laut. Trommeln, Stimmen, Lachen, Proben, Bühne. Ich hatte Workshops, ich habe zugehört, gespielt, gesungen. Viel Bewegung, viel Klang, wenig Pause.

Und jetzt sitze ich hier und bringe kaum einen Ton heraus. Aber der Reihe nach.

Seit letzter Woche nehme ich am Trommelworkshop teil. Afrikanisches Trommeln auf der Djembe.

Erst waren wir 7 Teilnehmerinnen, später 11. Dazu kommen Mockoulo, unser Lehrer und die drei Dundun-Spieler. Das ist ordentlich Wumms. Es macht totalen Spaß, obwohl es uns fordert, denn die Rhythmen sind nicht einfach. Wir haben „Barandosa“ gelernt, ein Rhythmus, der gerne getrommelt wird, bevor es ordentlich an die körperliche Arbeit geht.

Es gab jede Menge Konzerte: Mockoulo ist ein paar Mal mit seiner Band aufgetreten.

Dann hatten wir ein sehr schönes Konzert von Modou Konté, mein Koralehrer. Über 1 1/2 Stunden hat er für uns gespielt und wir haben dazu getanzt. Das war ein wunderschöner und unvergesslicher Abend!

Und ich bin aufgetreten! Vor etwa 30-40 Leuten, Einheimische und tschechische Workshopteilnehmerinnen. Es war ein sehr schönes Konzert und ein dankbares Publikum.

Ich hatte bislang Zweifel, wie es bei den Einheimischen ankommt, wenn eine weiße Europäerin traditionelle westafrikanische Lieder singt. Aber die Zweifel waren unbegründet. Es macht sie stolz, dass ich ihre Lieder interpretiere.

Ich bin sehr dankbar für diese Erfahrung.

Und nun ist Stille, seit Mittwoch. Als ich am Dienstag Abend auftrat, spürte ich bereits die Erkältung in mir. Meine Stimme war am Anschlag und überall dort, wo ich ein Kapodaster verwende, setzte ich es 1/2 Ton tiefer.

Am nächsten Morgen war meine Stimme weg und das hat sich bis heute nicht gebessert. Dazu ein trockener, festsitzender Husten und leicht erhöhte Temperatur…

Ich schlafe viel und spreche nur sehr wenig.

Funfact: seitdem streiten Moctar und ich nicht. Und ich denke gerade drüber nach, was mir das sagen soll. 😂

Vielleicht sollte man Beziehungen manchmal einfach stumm schalten.

Zwischen Kerzen, Sirenen und Trommelrhythmen

Manche Tage fühlen sich nicht wie eine Geschichte an, sondern eher wie ein Puzzle oder ein Mosaik. Warmes Licht neben plötzlicher Irritation, leise Nähe neben dröhnendem Rhythmus.

Weihnachten liegt hinter uns. Wir haben verdammt gut gegessen und ich habe in einem Restaurant spontan ein kleines Konzert gegeben.

Dazu ein paar Begegnungen, die hängen bleiben – und dann diese Lautstärke, die alles überlagert.

Ich notiere das nicht, um es zu ordnen, sondern um es festzuhalten, solange es noch in meinem Kopf existiert.

Kerzen hatten wir natürlich nicht, sondern wie jeden Abend ein Feuer.

Sirenen heulten auch nicht. Stattdessen gab es unangenehme Begegnungen mit der Strassenpolizei. Aber es gab auch Lichtblicke, wie der Polizeibeamte in Diouloulou, der mir wirklich sehr geholfen hat.

Nach vielen Kilometern und Stunden des Hin- und Herfahrens war es irgendwann geklärt. Ich hoffe, es bleibt dabei.

Seit vorgestern läuft das große und bekannte Festivalo hier in Abene. Bis zum 2.1. werden wir jeden Tag allerfeinste Musik genießen können. Geschlafen wird dann am Tag, denn vor 23 Uhr beginnt es nicht und geht dann locker bis 3 Uhr morgens.

Ich gebe mich dem Rhythmus hin – mal sehen, wie viel Schlaf ich noch erwische.

Weitermachen

Über Kontinuität, Geduld und warum Fortschritt manchmal unspektakulär aussieht.

Den ganzen Sommer über habe ich Kora gespielt, oft vier bis fünf Stunden täglich. Meist habe ich wiederholt, was ich letzten Winter bei Modou Konté und Sadio Cissokho gelernt habe. Kein Neues, dafür viel Festigung.

Jetzt bin ich zurück in Abene und nehme wieder Unterricht. Zwei Stunden hatte ich bereits, bei Modou – Sadio unterrichtet mich in Ziguinchor.

Ich möchte mit „Maki“ weitermachen. Bisher kann ich nur die Grundmelodie, zu der gesungen wird und einen Break. Da das Stück aber nur eine Strophe hat, wird es schnell monoton.

Ich möchte einen der Soloparts lernen, um mehr Spielraum zu bekommen.

Wir beginnen mit dem Intro. Modou spielt es mir langsam vor, ich schaue genau hin und spiele es nach. Nach ein paar Versuchen sitzt es.

Ich lerne schneller als letzten Winter. Deutlich schneller.

Zuhause übe ich weiter, das Intro hält und ich merke: Ich will vorwärts.

Nicht hektisch. Aber konsequent.

Noch 3 Wochen bis Senegal

In genau 21 Tagen geht es wieder los.
Nicht in den Urlaub. Nicht auf eine Bühne. Nicht auf eine touristische Reise.

Ich fliege zurück in die Casamance, diesmal an die Küste, nach Abene — ein Ort, den ich letztes Jahr lieben gelernt habe und an dem ich einige Wochen verbracht habe.
Dieses Mal wartet ein kleines Häuschen auf mich, es wird gerade gebaut. Und ich hoffe, dass es rechtzeitig fertig wird. Mein eigenes Zuhause, mitten in meinem anderen Leben.

Auf diesem Grundstück wird das Haus gebaut

Ich freue mich darauf, wenn ich das erste Mal die Tür aufschließen und die Zimmer betreten werde. Ich freue mich auf das Licht, auf die Sonnenstrahlen, die durch die Türen fallen, die vielen Bäume und die hunderte zwitschernde Vögel.

Ich nehme euch mit zu meinem künftigen Haus


Ich freue mich auf die kleinen Räume, die ich gestalten werde, und auf den Alltag, der mich erwartet. Im Juli/August habe ich bereits etliche Dinge per Container nach Afrika geschickt: ein neues Bett, Lattenrost und Matraze, Stühle, Tische, Garderoben, Küchenzubehör, Sonnenmilch und Mückenschutzmittel und andere Drogerieartikel für 6 Monate und zwei Gitarren. Eine für mich und eine für meinen Mann.

Seit über fünf Monaten habe ich meinen Mann nun nicht mehr gesehen. Fünf Monate!Das klingt nach einer langen Zeit, und das ist es auch.
Aber jeder Tag ohne ihn hat mir bewusst gemacht, dass wir dennoch miteinander verbunden sind, auch wenn uns mehr als 6000 km voneinander trennen.

Ich freue mich auf alles, was mich in Abene erwarten wird

Musik: Kora üben, neue westafrikanische Lieder lernen, trommeln, verschiedene Rhythmen spüren.

Strand und Natur: Tägliche Spaziergänge am Meer, der Wind, das Licht, die Geräusche der Casamance.

Marktleben: Obst, Gemüse, frischer Fisch, die Düfte der Gewürze, bunt gebatikte Kleider, Menschen, die lachen und handeln.

Freunde und Bekannte: Wiedersehen, Gespräche, gemeinsames Kochen, Musikabende.

Meine Koffer sind bereits halb gepackt: Technik für Fotos und Videos, Laptop, Mikrofone, Powerbanks, Solarpanels, Geschenke für die Menschen, die mir am Herzen liegen, etwa 30 Lesebrillen in verschiedenen Stärken zum Verschenken und ein bisschen Kleidung. Vieles ist schon von letztem Mal vor Ort.

Es fühlt sich an wie ein Comeback in ein Leben, das ich teilweise schon kenne, und gleichzeitig wie ein neues Kapitel. Ich weiß, dass ich viel lernen werde, nicht nur musikalisch, sondern über Menschen, Orte und über mich selbst.

Ich nehme euch wieder mit. Ich zeige euch, wie es ist, wieder in ein Leben einzutauchen, das man liebt. Ohne Filter, ohne Kitsch – nur echt, aus der Perspektive einer, die mittendrin lebt und gespannt ist, was kommt.

Schlangen, Drachen und jede Menge Musik

Lange habe ich nichts mehr geschrieben. Fast vier Monate sind nun vergangen, dass ich Senegal verlassen habe und ich muss noch weitere zwei oder sogar zweieinhalb Monate warten, bis ich wieder dort bin.
Ich war erst in Bottrop in Deutschland aber nicht sehr lange. Seit Ende Mai bin ich in Tschechien, wo ich seit 22 Jahren ein Haus auf dem Land habe. Hier verbringe ich seit 13 oder 14 Jahren den gesamten Sommer, meist bis Ende Oktober. Und so ist es auch dieses Jahr wieder und doch ist vieles anders.
Die letzten Jahre habe ich viel genäht, viel Schmuck gefertigt, ich habe Dutzende Gläser Marmelade gekocht, Gurken eingelegt, ich bin viel Fahrrad gefahren… all das habe ich dieses Jahr nicht oder so gut wie nicht gemacht.
Zum Einen habe ich noch viel Marmelade aus den Vorjahren und muss die Regale und auch die Gläser leeren, bevor ich neue befülle. Das Gleiche gilt für die eingelegten Gurken.
Fahrrad fahren kann ich leider gerade nicht. Ich habe seit einigen Wochen eine fiese Baker-Zyste in der Kniekehle, etwa so groß wie ein Hühnerei. Das ist nicht gefährlich aber sehr unangenehm. Laufen, insbesondere bergauf und bergab oder Treppen steigen fällt mir sehr schwer und ist mitunter sehr schmerzhaft. Noch habe ich nicht herausgefunden, was denn die Ursache für diese Baker-Zyste ist.

Aber es gibt noch einen anderen Grund, einen sehr schönen Grund, warum ich vieles von dem, was ich in den letzten Jahren gemacht habe, diesen Sommer nicht mache. Ich mache viel Musik!
In Senegal habe ich viele westafrikanische Mandinka-Lieder gelernt und ich hatte mir vorgenommen, mit diesen Liedern aufzutreten.

Meinen ersten Auftritt hatte ich am 30. Mai auf einem Kinder- und Familienfest.
Und dann waren vier Wochen Pause. In der Zeit habe ich geübt, geübt und noch mehr geübt.
Denn die nächsten Termine standen ja bereits fest.

Miniyamba, ein altes traditionelles Mandinka-Lied aus Westafrika. Miniyamba ist eine Anakonda, eine große Schlange. Das Lied handelt von Vertrauen und Versprechen und den Folgen, wenn beides gebrochen wird.



Ende Juni hatte ich gleich zwei Auftritte an zwei Tagen und es hat großen Spaß gemacht!
Und dann wurde es irgendwie ein Selbstläufer, ich habe einige Anfragen und Einladungen bekommen, auf Festivals zu spielen, die ich supergerne und dankbar angenommen habe.
Überall war es toll, die Menschen mögen meine afrikanischen Lieder. Sehr oft schreiben mir irgendwelche Leute, die mich irgendwo gehört haben und fragen, wo ich als nächstes auftrete.
Ich habe nicht gedacht, dass es so gut laufen und so gut ankommen wird!
Das macht mir gerade richtig glücklich.

Ninki Nanka ist ebenfalls ein traditioneller Song aus Westafrika. Er handelt von einem riesigen, fauchenden Drachen mit einem großen Horn. Aber, so die Legende, solange wir singen und tanzen, kann uns der Drache nichts anhaben.


Ein ganz besonderer Auftritt war der am 6.9. auf dem Worldfest. Es bezeichnet sich auch als das kleinste World-Festival der Welt und ich bin jedes Jahr als Gast dabei. Und diesmal war ich als Musikerin dort.
Ich bin gemeinsam mit einem Bekannten aufgetreten, er hat auf indischen Tabla getrommelt und ich habe auf der Kora gespielt.

Maki handelt von einem König, der sich um Waisenkinder kümmert. Die Kinder lieben ihn und rufen ihm zu: „Wayo, wayo, maki na nande – komm her, komm her, Maki komm zu uns“


Zwei Auftritte liegen noch vor mir, vielleicht ergibt sich auch noch irgendwas zwischendurch.
Ich liebe diesen neuen Abschnitt in meinem Leben, mir selbst gibt die Musik unendlich viel.

Zurück nach Abéné

Seit Dienstag bin ich wieder in Abéné, ganz im Norden der Casamance oder knapp unterhalb der Grenze zu Gambia. Zum Einen, weil ich die Hitze in Ziguinchor nicht mehr ertragen habe, wir hatten dort seit über vier Wochen Temperaturen zwischen 38 und 41 Grad, mein Zimmer dort glich einem Backofen. Zum Anderen aber auch, weil ich dringend an meinem Musikprogramm arbeiten muss. In 3 1/2 Wochen fliege ich zurück und so wie es ausschaut, habe ich vielleicht am 30.5. mein erstes Konzert mit westafrikanischen Liedern.

Ich habe eine Menge Lieder mit der wunderbaren Adama Cissokho gelernt aber ich muss sie arrangieren. Manche der Lieder haben nur eine Strophe und werden schnell langweilig, ich bin ja weder Chor noch Orchester, sondern stehe alleine mit meiner Ukulele oder Gitarre auf der Bühne.

Meine tschechische Bekannte Monika hat mir auf ihrem Grundstück Unterschlupf gewährt, hier war ich ja bereits im Januar zum Trommeln, Tanzen, Balafon- und Koraspielen. Hier gibt es viel Platz und vor allem eins: Ruhe. Denn die brauche ich, um mich musikalisch-kreativ auszutoben.

Kaira heißt Frieden und Kunda heißt Familie, beide Wörter entstammen aus dem Mandinka

Am Mittwoch bin ich mit Fieber aufgewacht. Na klasse, dachte ich mir, das fängt ja gut an. Wahrscheinlich irgendein Darminfekt, denn ich kam vom Klo nicht runter. Und so habe ich den Tag abwechselnd in meiner Hängematte und meinem Bett verbracht.

Am Abend ging es mir trotz 38,2 Grad Fieber so gut, dass ich ein paar Lieder arrangiert habe. Noch nicht die finale Fassung aber der Anfang ist gemacht.

Am nächsten Morgen war zumindestens das Fieber wieder runter. Ich nutzte den Vormittag zum spielen und üben. Erst auf der Ukulele, dann auf der Kora, dachte ich…

Aber eine der Stimmmechaniken ließ sich nicht mehr nach oben bewegen. Ausgerechnet die B-Saite auf der linken Seite. Die brauche ich in jedem Lied!

Was tun? Ich beschloss, aus der Not eine Tugend zu machen und zum Strand zu gehen. Der Weg zum Strand führt am Haus meines Kora-Lehrers Modou Konté vorbei. Und er war gerade draußen. Was ein Glück! Ich fragte ihn, ob er vielleicht eine Ersatzmechanik hätte… Ja! Hat er!

Und so änderte ich schnell meinen Plan, holte die Kora und lief zurück.

Doch bevor Modou meine Kora reparierte, gab es erst mal was zu Essen, Modou hatte nämlich gekocht.

Anschließend haben wir gejamt, mit Kora und Gitarre und viel Gesang, ich kann ja nun einige der typischen westafrikanischen Mandinka-Songs. Und dann gab es noch ein kleines Privatkonzert für uns, er hat zur Zeit nämlich noch einen Gast aus Frankreich bei sich.

Balafon und Kora

Kora spiele ich nun seit 1 1/2 Jahren. Oder besser, ich lerne auf ihr zu spielen. Hier in Abene hat Monika, die diesen dreiwöchigen Kurs organisiert, einen Koralehrer für mich gefunden. Ich hatte bereits von zuhause Kontakt mit seiner polnischen Frau aufgenommen und wir haben erstaunt festgestellt, dass wir uns bereits auf dem Afrobeats-Festival in Polen begegnet sind. Dort hat Modou das Festival mit seinem Kora-Konzert eröffnet und er hat den Gesangs-Workshop geleitet. Die Welt ist halt klein.

Ebenfalls hat Monika einen Balafonlehrer für mich organisiert, er heißt Demico und bringt zwei große Balafone mit.

Am ersten Tag lerne ich Salya. Natürlich nur die einfachere Begleitung. Demico spielt das Solo dazu. Es macht großen Spaß. Schade ist nur, dass Demico nur französisch spricht und wir schlecht miteinander kommunizieren können.

Auch auf der Kora mache ich Fortschritte. Ich merke, dass ich die Saiten endlich zuordnen kann, welche Saite hat welchen Ton und wo ist die dazugehörige Oktavseite. Und ich lerne ein besonders schönes Stück, es heißt Maki.

Bis ich aber dazu singen kann, wird es noch lange brauchen.

In meiner nächsten Balafonstunde lerne ich Bani Le, das kann ich bereits auf der Kora spielen. Überhaupt haben Balafon und Kora vieles gemeinsam, beide sind in F dur gestimmt, haben also die gleiche Tonleiter.

In jeder Stunde lerne ich etwas Neues und Demico hebt das Tempo an. Ich lerne nicht nur ein neues Stück, sondern zwei oder gar drei. Und er macht mir ein sehr schönes Kompliment: er sagt, dass manche seiner Schüler mehrere Wochen für das brauchen, was ich in einer Stunde lerne. Und auch, wenn ich finde, dass Lernen kein Wettbewerb ist, freue ich mich darüber.

Am letzten Abend kommt mein Koralehrer Modou mit seiner Frau Kasia zum Abendessen vorbei. Nach dem Essen gibt es für unsere Gruppe ein kleines Konzert. Und das erste Lied spielen wir gemeinsam: Maki. Ich bin sehr stolz auf mich.

Musik machen in Abene

Die letzten zwei Jahre war ich zum Trommeln in Gambia. Doch diesen Winter wollte ich nach Abene in Senegal. Trommeln, tanzen, Kora spielen, Balafon ausprobieren, zum Festival gehen…

Am 27.12.2024 treffe ich morgens den Rest der Gruppe im Sukuta Nema Guesthaus. Unser Microbus und unsere senegalesischen Begleiter sind bereits da. Während wir frühstücken, packen sie alles aufs Dach des Busses. Meine Kora, darauf bestehe ich, kommt INS Auto und nicht aufs Dach.

Kurz darauf fahren wir los. Nach etwas mehr als einer Stunde erreichen wir die gambische Grenze. Wir müssen ausreisen, d.h. unsere Pässe vorzeigen und Fingerabdrücke digital hinterlegen. Die Grenzbeamtin ist sehr nett.

Etwa einen Kilometer weiter ist die senegalesische Grenze. Hier müssen wir wieder aussteigen und unsere Pässe vorzeigen. Dann, etwa 200 Meter weiter wieder aussteigen und diesmal reisen wir ein, d.h. unsere Pässe werden erfasst und abgestempelt.

In der Zeit versuchen uns zahlreiche Kinder Kekse und Mandarinen zu verkaufen. Weil sie auch Dalasi annehmen, kaufe ich zwei Beutel mit Mandarinen.

Endlich können wir weiter fahren. Mir fällt auf, dass es am Straßenrand sehr viel sauberer ist als in Gambia.

Nach kurzer Zeit erreichen wir Abene und den Ort der nächsten drei Wochen. Wir werden mit viel Tamtam begrüßt.

Das Gepäck wird ausgeladen und die Zimmer verteilt. Den Rest des Tages passiert nicht mehr viel. Einige gehen zum Strand. Ich hatte genug Strand letzten Monat.

Am Abend machen wir ein Lagerfeuer und ich hole meine Kora. Siakka, ein junger Senegalese, spielt auf ihr.

Und noch viel später gehen wir zum bekannten Festival. es findet seit 30 Jahren statt, immer in der letzten Woche im Dezember.

Was ich zu sehen und hören bekomme, begeistert mich! Singende und tanzende Frauen aus der Casamance, Trommelmusik aus Guinea-Conakry und junge, moderne Popmusik aus Gambia. Erst spät in der Nacht laufen wir wieder zurück.