Open House bei Mame Sey Nabou in Diannah Bolong

Gestern Nachmittag war ich eingeladen – bei Barbara. Oder besser gesagt: bei Mame Sey Nabou, ihrem afrikanischen Namen. Sie lebt seit vielen Jahren im Senegal, aber erst seit etwas mehr als einem halben Jahr hier in Abéné… genauer gesagt in Diannah Bolong, einem dieser Orte, bei denen man sich fragt, ob sie wirklich noch auf der Landkarte stehen oder ob man sie einfach nur findet, wenn man es ernst meint mit dem „Ankommen“.
Barbara veranstaltet fast jeden Samstag einen offenen Treff. Wer will, darf kommen. Es gibt kein Programm, keinen Eintritt, keine Bühne – nur eine Terasse, ein paar Stühle, Bastmatten auf dem Boden und eine ungeschriebene Regel: Wenn möglich, bring ein Instrument mit.
Ich entschied mich für die Gitarre und die Ukulele. Kasia, eine Freundin, die mich begleitet hat, kam deutlich ambitionierter: E-Piano, Geige und ebenfalls eine Gitarre. (Manche reisen mit Handtasche. Wir reisen mit Musikgeschäft. 😂)

Und dann waren wir plötzlich viele. Sehr viele. Ein paar Deutsche, ein Paar aus Dänemark, eine Querflötenspielerin aus Holland, Beth aus Großbritannien – und natürlich auch Senegalesen. Menschen, die sich zum Teil noch nie gesehen hatten. Menschen, die nicht mal dieselbe Sprache sprechen. Und trotzdem saßen wir da, als wäre es das Normalste der Welt.
Barbara eröffnete den Nachmittag mit ihrer Shruti-Box und ihrem Gesang. Mystisch, fast wie ein Ruf. Als würde sie den Raum nicht einfach füllen, sondern ihn erst erschaffen. Danach folgten Sebastian und die Dänin mit verschiedenen Blockflöten – leise, fein, wie ein Wind, der durch einen Garten zieht.
Und dann war ich dran.
Ich nahm meine Gitarre und sang drei westafrikanische Lieder. Marian begleitete mich auf der Querflöte, Kasia am Klavier. Und plötzlich war da dieser Moment, den man nicht planen kann: Als ob sich alles ineinander schiebt. Als ob die Musik sich selbst findet. Nicht perfekt – aber lebendig.
Später kamen die Djemben dazu. Die Senegalesen übernahmen den Rhythmus, und auf einmal wurde aus „wir hören zu“ ein „wir sind mittendrin“. Wir tanzten, wir sangen, wir klatschten. So viel Energie, so viel Freude, so viel Wärme.
Und irgendwann habe ich gemerkt:
Hier werden keine Visitenkarten verteilt. Niemand fragt nach Lebensläufen oder Herkunft. Man muss nicht erklären, warum man hier ist.
Man spielt. Man hört zu. Man macht mit.
Und genau so werden aus Fremden Freunde.
Ich bin nach Hause gefahren mit dem Gefühl, dass dieser Nachmittag mehr war als ein nettes Treffen. Es war ein wieder mal ein Anfang.
Mit der Querflötenspielerin habe ich schon verabredet, gemeinsam Musik zu machen. Und Barbara – oder Mame Sey Nabou – ist eine dieser Frauen, die man nicht einfach „kennenlernt“. Man begegnet ihnen. Und irgendwie bleibt danach etwas in einem zurück.








