Ein Monat im Weniger

Abene hat den Atem angehalten. Die Trommeln schweigen, die Reggaeboxen sind verstummt, selbst der Wind scheint leiser zu wehen.

Ramadan hat begonnen – und plötzlich fühlt sich das Dorf an, als hätte jemand den Lautstärkeregler heruntergedreht.

Meine Nachbarn haben sich zurückgezogen, denn sie fasten. Alle und alles ist still. Sie sitzen im Schatten. Geruch von Essen nimmt man erst kurz vor Sonnenuntergang wahr. Und selbst die Kinder sind leiser als sonst. Nur die Vögel zwitschern wie gewohnt.

Im Ortszentrum haben trotz Ramadan und christlicher Fastenzeit nahezu alle Restaurants geöffnet, auch tagsüber. Es sind genügend Touristen hier, die essen wollen. Und ich frage mich, wie schafft man es, täglich zu kochen und Gäste zu bedienen, wenn man selbst fastet?

Ramadan ist Verzicht, innere Einkehr, Zeit für Gedanken. Und die Zeit der Vergebung.

Seit Beginn des Ramadans bin ich alleine. Moctar ist in Ziguinchor. Und das ist gut so, denn ich verzichte nicht darauf, tagsüber zu essen und zu trinken. Und dennoch verändert sich auch mein Tagesablauf mit dem Ramadan.

Ich spiele viel auf meiner Kora, liege in der Hängematte und halte Siesta. Und ich lasse meine Gedanken fließen. Ich merke, dass die Stille Dinge hörbar macht, die sonst im Lärm untergehen.

Ramadan ist eine Zeit der Einkehr. Ich faste nicht. Und doch verändert sich mein Rhythmus: Weniger Aktivität. Mehr Zuhause, mehr Hängematte. Mehr Kora. Mehr Innenwelt. Ich merke, es tut mir gut.

Ramadan ist ein Monat des Verzichts. Ich verzichte in diesem Monat auch auf Vieles. Auf gelebte Partnerschaft, auf Umarmungen und Zärtlichkeit. Aber auch auf Eile. Auf Lärm. Auf Auseinandersetzungen, auf Streit.

Und so merke ich, weniger ist manchmal mehr.

Im Ramadan geht es nicht nur ums Fasten; es geht darum, die Seele mit Liebe, Mitgefühl und Hingabe zu nähren“

Streetfood oder Frühstück unterwegs

Ich muss heute arbeiten, unterrichten, um genauer zu sein. Alle zwei Wochen unterrichte ich Deutsch, online für eine Frau in Tschechien. Ich freue mich immer auf unsere Stunde. Meine Studentin hat schon vor mir sehr viel gelernt und sie beherrscht die deutsche Sprache verdammt gut.
Sie sucht sich immer irgendein Thema aus, worüber wir diskutieren, ab und an machen wir etwas Grammatik.
Zum Arbeiten fahre ich in die Alliance Francaise.

Die habe ich neulich für mich entdeckt. Dieser Ort liegt in der City, etwas abseits des großen Marktes und ist wie ein schöner Park mit vielen Bäumen, Büschen, Blumen und vielen Tischen und Stühlen.
Es gibt hier eine Bücherei, viele Tische und Stühle, eine Bar, wo man Getränke kaufen kann.

Bücherei
„Sofies Welt“ als Comic

Und es gibt kostenfreies WiFi!
Tagsüber sind viele Studierende hier, um miteinander oder auch alleine für sich zu lernen.
Für mich ist es der perfekte Ort, ich habe hier Ruhe, viel Schatten und eben WiFi.



Aber ich habe noch nichts gefrühstückt, ich mache mich auf die Suche nach etwas Essbarem. Das ist, trotz Ramadan nicht weiter schwierig. An der Straße unweit der Alliance Francaise gibt es einige Stände, z.B. einen, wo eine Frau frittierte Krapfen verkauft. Sie hat einen Art Wok auf einer gusseisernen Feuerstelle, ihrem „Herd“ und daneben eine große Schale, wo sie die fertigen Krapfen liegen hat.
Ich kaufe fünf davon und zahle 250 xof (senegalesische Francs), das sind umgerechnet etwa 40 Cent.
An einem anderen Stand kaufe ich Bananen, fünf kleine für 500 xof und eine kleine Flasche (0,33 l) Bissap-Saft für 100 xof.
Bissap, so heisst hier der Saft, der aus den meist roten Hibiskusblüten gekocht wird. Diese Hisbiskusblüten haben nichts mit den Hibiskusblüten zu tun, die wir aus Deutschland kennen. Ich mag den Bissap-Saft sehr, sehr gerne.

Ich habe nur einen 5000 xof-Schein, die Frau hat nicht so viel Wechselgeld. Aber ein paar Meter weiter stehen ein paar Männer mit ihren Mopeds. Und einer von ihnen wechselt den Schein in 2x 2000 xof und 1x 1000 xof.
Übrigens: ich musste noch nie hier in Afrika Geld wechseln gehen. Das machen hier die Verkäufer*innen.
Zum Schluss kaufe ich noch einen kleinen Becher Kaffee an einem anderen Stand. Es ist der übliche lösliche Kaffee und er ist stark gesüßt aber heute morgen schmeckt mir der.

Mein Frühstück heute Morgen

Ich hatte echt große Bedenken wegen der Ramadan-Zeit aber es ist eigentlich wie immer. Denn es leben nicht nur Muslime in Ziguinchor, es gibt zahlreiche Christen und andere Religionen hier.
Und es gibt eben viel, viel Toleranz gegenüber anderen Religionen.