Manche Tage fühlen sich nicht wie eine Geschichte an, sondern eher wie ein Puzzle oder ein Mosaik. Warmes Licht neben plötzlicher Irritation, leise Nähe neben dröhnendem Rhythmus.
Weihnachten liegt hinter uns. Wir haben verdammt gut gegessen und ich habe in einem Restaurant spontan ein kleines Konzert gegeben.
Dazu ein paar Begegnungen, die hängen bleiben – und dann diese Lautstärke, die alles überlagert.
Ich notiere das nicht, um es zu ordnen, sondern um es festzuhalten, solange es noch in meinem Kopf existiert.
Kerzen hatten wir natürlich nicht, sondern wie jeden Abend ein Feuer.
Sirenen heulten auch nicht. Stattdessen gab es unangenehme Begegnungen mit der Strassenpolizei. Aber es gab auch Lichtblicke, wie der Polizeibeamte in Diouloulou, der mir wirklich sehr geholfen hat.
Nach vielen Kilometern und Stunden des Hin- und Herfahrens war es irgendwann geklärt. Ich hoffe, es bleibt dabei.
Seit vorgestern läuft das große und bekannte Festivalo hier in Abene. Bis zum 2.1. werden wir jeden Tag allerfeinste Musik genießen können. Geschlafen wird dann am Tag, denn vor 23 Uhr beginnt es nicht und geht dann locker bis 3 Uhr morgens.
Ich gebe mich dem Rhythmus hin – mal sehen, wie viel Schlaf ich noch erwische.
Mir war nach einem Ausflug zum Ende des Ramadans. In Ziguinchor war es mir zu hektisch. Ich hab ja schon so meine Schwierigkeiten mit den Weihnachtsvorbereitungen und Einkäufen bei uns in Deutschland aber die Vorbereitungen für Korité sind noch sehr viel extremer.
Ich hatte mir Mlomp ausgesucht, ein kleiner Ort bei Oussouye auf dem Weg nach Cap Skirring, etwa 45 Minuten mit dem Auto. Es gibt dort ein kleines Djoola-Museum. Mein tschechischer Bekannter Václav begleitet mich.
Das Museum ist wirklich winzig, es besteht aus einer kleinen runden Lehmhütte.
Innendrin ein paar Exponate über das traditionelle Leben der Djoola. Die Beschreibungen sind alle auf französisch, ich versuche sie zu lesen aber ich verstehe nichts, so weit reichen meine Französisch-Kenntnisse nicht. Schade.
Wir haben Hunger aber das Restaurant an der Straße auf dem Weg hierher hatte geschlossen. Ein paar Schritte vom Museum entfernt gibt es einen Stand, wo Schuhe und Töpfe verkauft werden. Ich frage nach, ob es hier ein Restaurant gibt. Ja, gibt es und einer der Männer setzt sich zu uns ins Auto um uns hinzuführen. Nach wenigen hundert Metern stehen wir vor einem kleinen Haus, an dem ein Schild hängt: Restaurant chez Kapinta et Mado. Wir treten ein.
Wir werden sehr freundlich begrüßt und ja, es gibt was zu essen. Auf meine Frage, was es gibt (dafür reichen meine mickrigen Französischkenntnisse), bekomme ich zur Antwort: Poulet Yassa. Yassa ist ein Gericht mit vielen Zwiebeln und Poulet ist Hühnchen. Jepp, das nehmen wir!
Wir nehmen Platz im Garten, es ist ein großer Garten, wild und verwunschen. Unter großen Mangobäumen stehen zwei Tische, an einem sitzt eine Familie mit zwei Kindern. Sie kommen aus Bonn, leben aber für 3-4 Jahre in Dakar, die Frau arbeitet für die Deutsche Botschaft. Und jetzt machen sie Urlaub in der Casamance.
Die Vorspeise ist eine Art Salatplatte, mit geraspelter grüner Papaya, irgendeinem Meeresgemüse, gekochten Kartoffelscheiben und Tomaten. Es ist sehr, sehr lecker!
Der Hauptgang, das Hühnchen-Yassa, ist ebenfalls sehr lecker!
Nach dem Essen bleiben wir noch sehr lange dort sitzen, es ist einfach schön und gemütlich. Wir bekommen noch leckere Mandarinen aus dem Garten und hausgemachten Palmwein.
Václav und ich
Wir erfahren, dass Kapinta das Wort für Schreiner ist, abgeleitet von dem englischen Wort Carpenter. Und Mado ist der Name seiner Frau.
Und nach dem zweiten Glas Palmwein holt Kapinta seine Djoola-Gitarre und spielt etwas für uns.
Der Abschied fällt mir schwer, ich werde bestimmt noch mal hierher zurückkehren.