Streetfood oder Frühstück unterwegs

Ich muss heute arbeiten, unterrichten, um genauer zu sein. Alle zwei Wochen unterrichte ich Deutsch, online für eine Frau in Tschechien. Ich freue mich immer auf unsere Stunde. Meine Studentin hat schon vor mir sehr viel gelernt und sie beherrscht die deutsche Sprache verdammt gut.
Sie sucht sich immer irgendein Thema aus, worüber wir diskutieren, ab und an machen wir etwas Grammatik.
Zum Arbeiten fahre ich in die Alliance Francaise.

Die habe ich neulich für mich entdeckt. Dieser Ort liegt in der City, etwas abseits des großen Marktes und ist wie ein schöner Park mit vielen Bäumen, Büschen, Blumen und vielen Tischen und Stühlen.
Es gibt hier eine Bücherei, viele Tische und Stühle, eine Bar, wo man Getränke kaufen kann.

Bücherei
„Sofies Welt“ als Comic

Und es gibt kostenfreies WiFi!
Tagsüber sind viele Studierende hier, um miteinander oder auch alleine für sich zu lernen.
Für mich ist es der perfekte Ort, ich habe hier Ruhe, viel Schatten und eben WiFi.



Aber ich habe noch nichts gefrühstückt, ich mache mich auf die Suche nach etwas Essbarem. Das ist, trotz Ramadan nicht weiter schwierig. An der Straße unweit der Alliance Francaise gibt es einige Stände, z.B. einen, wo eine Frau frittierte Krapfen verkauft. Sie hat einen Art Wok auf einer gusseisernen Feuerstelle, ihrem „Herd“ und daneben eine große Schale, wo sie die fertigen Krapfen liegen hat.
Ich kaufe fünf davon und zahle 250 xof (senegalesische Francs), das sind umgerechnet etwa 40 Cent.
An einem anderen Stand kaufe ich Bananen, fünf kleine für 500 xof und eine kleine Flasche (0,33 l) Bissap-Saft für 100 xof.
Bissap, so heisst hier der Saft, der aus den meist roten Hibiskusblüten gekocht wird. Diese Hisbiskusblüten haben nichts mit den Hibiskusblüten zu tun, die wir aus Deutschland kennen. Ich mag den Bissap-Saft sehr, sehr gerne.

Ich habe nur einen 5000 xof-Schein, die Frau hat nicht so viel Wechselgeld. Aber ein paar Meter weiter stehen ein paar Männer mit ihren Mopeds. Und einer von ihnen wechselt den Schein in 2x 2000 xof und 1x 1000 xof.
Übrigens: ich musste noch nie hier in Afrika Geld wechseln gehen. Das machen hier die Verkäufer*innen.
Zum Schluss kaufe ich noch einen kleinen Becher Kaffee an einem anderen Stand. Es ist der übliche lösliche Kaffee und er ist stark gesüßt aber heute morgen schmeckt mir der.

Mein Frühstück heute Morgen

Ich hatte echt große Bedenken wegen der Ramadan-Zeit aber es ist eigentlich wie immer. Denn es leben nicht nur Muslime in Ziguinchor, es gibt zahlreiche Christen und andere Religionen hier.
Und es gibt eben viel, viel Toleranz gegenüber anderen Religionen.

Ausspannen in Cap Skirring

Es ist Ramadan, meine Familie in Ziguinchor fastet. Sie essen und trinken nichts von Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang. Ich muss nicht fasten, weder gibt das meine Religion vor, noch wird es von mir erwartet. „Ist nicht deine Kultur“ sagt meine Familie. Ich darf essen und trinken, soviel ich will aber aus Rücksicht und Respekt tue ich dies auf meinem Zimmer.
Die Tage sind etwas langweilig, alle sind müde, hungrig, durstig…
Ich hatte mit meinem Mann vereinbart, dass ich zwischendurch einfach für ein paar Tage weg fahre. Hatte ich eh vor, bevor ich im November 2024 nach Gambia geflogen bin. Ich hatte mir damals vorgenommen, mir die Casamance anzuschauen.
Ich buchte mir eine Unterkunft, packte meine Kora, Ukulele, meine Kamera und ein bisschen Kleidung ins Auto und fuhr nach Cap Skirring.
Es ist nicht weit, etwas mehr als 65 km. Aber die Straße ist auch hier irgendwann nicht gut. Und so habe ich etwa zwei Stunden gebraucht.

Innenstadt Cap Skirring

Meine Unterkunft lag etwas ausserhalb von Cap Skirring, nördlich. Ich musste also durch das Zentrum und hielt dort, um ein bisschen durch die Geschäfte zu schlendern aber vor allem, um etwas zu essen, ich hatte Hunger.
Die Innenstadt von Cap Skirring ist laut und voll und es stinkt. Kein wirklich schöner Ort. Aber ich habe ein nettes kleines Restaurant gefunden und das Tagesgericht bestellt. „Sole“, das ist Seezunge, sie war mit viel Knoblauch gebraten. Dazu gab es Reis und Salat. Ja, Salat!
Es gibt ja die Regel: Fry it, boil it, peel it or leave it. Aber daran halte ich mich schon lange nicht mehr. Ich esse oft Salat hier: grüne Blattsalate, Tomaten, Gurken… das alles wird mit lokalem Leitungswasser gewaschen. Bisher hatte ich keine Probleme. Ich hoffe, es bleibt so.

Ich fahre zu meiner Unterkunft. Die letzten 2 1/2 Kilometer sind Sandpiste. Die ersten 2 Kilometer lassen sich ganz gut fahren, danach wird es so richtig sandig, so als würde man in der Wüste fahren.
Aber mein kleiner Ford Fiesta bringt mich ans Ziel und ein wenig natürlich auch meine Fahrkunst. 😉
Wer es gewohnt ist, auf Schnee und Glatteis zu fahren, der kommt auch mit Sand zurecht.

Später erfuhr ich, dass Taxifahrer es ablehnen, bis zur Lodge zu fahren, sie lassen ihre Fahrgäste 1/2 km laufen.

Ich habe dort ein echt schönes Zimmer, in einem kleinen runden Haus. Die Hälfte des Haus ist mein Zimmer. Die andere Hälfte ist ein anderes Gästezimmer. Und in diesem wohnt ein Paar aus Düsseldorf, die Welt ist mal wieder sehr klein. 😂

Viel Natur und viele Bäume in der
Lodge „Le Kibalaou“

Als erstes gehe ich zum Strand, der ist etwa 100 m weit entfernt, das Wellenrauschen hört man bis hierher und wird mich auch in der Nacht begleiten.

Privatstrand ohne Beachboys und lästige Verkäufer

Am Abend setze ich mich zu den beiden Düsseldorfern. Wir essen zusammen und quatschten noch bis Mitternacht.

Solltet ihr jemals nach Cap Skirring fahren, nehmt euch warme Kleidung mit! Es ist am Abend sehr kühl dort! Ich habe zum ersten Mal, seitdem ich in Gambia und Senegal bin, gefroren. 🥶

Am nächsten Tag fahren wir gemeinsam nach Boucotte, ins Joola-Museum „Kadioute“. Es ist kein klassisches Museum, sondern eines im Wald. Wir haben viel Spannendes erfahren und es gab tolle Bäume zu bestaunen.

Nach dem Museumsbesuch haben wir Hunger und wir fahren nach Kabrousse an den Strand. Und dort finden wir ein kleines Restaurant und essen sehr leckere Fischspiesse.

Jede Menge Kühe am Strand von Kabrousse

Am Tag meiner Abreise fahre ich noch nach Diébéring, ein ganz kleiner Ort nördlich von Cap Skirring. Mitten auf dem Dorfplatz steht ein riesiger Baobabbaum. Rund um den Baum ist ein kleiner Markt mit Obst, Gemüse, Kleidung, Haushaltswaren.

In einem Shop habe ich diese schönen Puppen entdeckt, sie werden von drei Frauen gefertigt und für umgerechnet 10€ verkauft. Der Erlös geht an eine Stiftung, die wiederum die örtliche Schule unterstützt. Ich habe natürlich eine gekauft und durfte als Dankeschön Fotos machen.

Balafon und Kora

Kora spiele ich nun seit 1 1/2 Jahren. Oder besser, ich lerne auf ihr zu spielen. Hier in Abene hat Monika, die diesen dreiwöchigen Kurs organisiert, einen Koralehrer für mich gefunden. Ich hatte bereits von zuhause Kontakt mit seiner polnischen Frau aufgenommen und wir haben erstaunt festgestellt, dass wir uns bereits auf dem Afrobeats-Festival in Polen begegnet sind. Dort hat Modou das Festival mit seinem Kora-Konzert eröffnet und er hat den Gesangs-Workshop geleitet. Die Welt ist halt klein.

Ebenfalls hat Monika einen Balafonlehrer für mich organisiert, er heißt Demico und bringt zwei große Balafone mit.

Am ersten Tag lerne ich Salya. Natürlich nur die einfachere Begleitung. Demico spielt das Solo dazu. Es macht großen Spaß. Schade ist nur, dass Demico nur französisch spricht und wir schlecht miteinander kommunizieren können.

Auch auf der Kora mache ich Fortschritte. Ich merke, dass ich die Saiten endlich zuordnen kann, welche Saite hat welchen Ton und wo ist die dazugehörige Oktavseite. Und ich lerne ein besonders schönes Stück, es heißt Maki.

Bis ich aber dazu singen kann, wird es noch lange brauchen.

In meiner nächsten Balafonstunde lerne ich Bani Le, das kann ich bereits auf der Kora spielen. Überhaupt haben Balafon und Kora vieles gemeinsam, beide sind in F dur gestimmt, haben also die gleiche Tonleiter.

In jeder Stunde lerne ich etwas Neues und Demico hebt das Tempo an. Ich lerne nicht nur ein neues Stück, sondern zwei oder gar drei. Und er macht mir ein sehr schönes Kompliment: er sagt, dass manche seiner Schüler mehrere Wochen für das brauchen, was ich in einer Stunde lerne. Und auch, wenn ich finde, dass Lernen kein Wettbewerb ist, freue ich mich darüber.

Am letzten Abend kommt mein Koralehrer Modou mit seiner Frau Kasia zum Abendessen vorbei. Nach dem Essen gibt es für unsere Gruppe ein kleines Konzert. Und das erste Lied spielen wir gemeinsam: Maki. Ich bin sehr stolz auf mich.

Musik machen in Abene – zweiter Teil

Bereits am zweiten Tag habe ich gemeinsam mit Monika Trommelunterricht. Alle anderen aus der Gruppe sind absolute Anfänger:innen und Monika dachte sich, sie und ich könnten ein paar Extrastunden nehmen. Ich habe Mockoulo bereits gestern kennengelernt und wir vereinbaren 8 Unterrichtsstunden.

Ich habe schon einige Trommellehrer gehabt aber er ist der beste von allen. Er ist der erste, der auf meine Handposition achtet und der erste, der sagt, dass es nicht egal ist, welche Hand man benutzt. Er selbst ist Linkshänder, das macht es einfach für mich, ich kann ihn, wenn ich ihm gegenüber sitze, einfach spiegeln.

Nach dem Trommeln besuche ich Kasia und Modou Konte, meinen Kora-Lehrer hier in Abene. Modou ist nicht da, er ist in Ziguinchor, hat dort Auftritte und wird wohl erst Silvester wiederkommen.

Am Abend gehen wir wieder zum Festival und das Programm heute ist noch besser als gestern.

Diese Fusion von Spanien und Guinea gefiel mir besonders gut.

Endlich, Senegal!

Mein erster Trommellehrer, Mamadou Bye Diop, war aus Senegal. Zehn Jahre habe ich mit ihm getrommelt, das ist jetzt gute 30 Jahre her. Er wollte immer mit unserer Trommelgruppe nach Senegal, uns seine Heimat zeigen aber es ist nicht dazu gekommen.

Die letzten zwei Jahre war ich mit einem Senegalesen zusammen, wir hatten uns im Januar 2023 in Gambia kennengelernt. Er war mein Trommellehrer. Und ich dachte, jetzt schließt sich der Kreis und ich komme endlich nach Senegal. Aber die Beziehung war vorbei, bevor ich auch nur einen Fuß auf senegalesichen Boden setzen konnte. Davon erzähle ich vielleicht ein anderes Mal. Vielleicht aber auch nicht, denn es ist Vergangenheit und die Gegenwart bietet gerade weitaus spannendere Geschichten.

Zufällig habe ich im Frühjahr im Internet ein schönes Angebot für einen dreiwöchigen Workshop in Abene in Senegal entdeckt. Der Workshop wird veranstaltet von einer Tschechin, Monika Diatta-Rebcová. Ich hatte mich spontan angemeldet und wenige Wochen später traf ich mich mit ihr, um sie persönlich kennenzulernen und Details zu besprechen.

Am 27.12. traf ich die übrigen Teilnehmer:innen in Sukuta in Gambia und gemeinsam überquerten wir die Grenze zu Senegal. Endlich, nach über 30 Jahren, war ich in Senegal!

Mein erster Eindruck war überaus positiv. Ich sah keinen Müll am Straßenrand, so wie ich es von Gambia gewohnt bin.
Und Abene war überraschend grün, so unglaublich viele Bäume!

Drei Wochen wollte ich bleiben und trommeln, tanzen, Kora und Balafon spielen.
All das habe ich getan. Ich habe drei wunderschöne Wochen mit fantastischen Menschen aus Tschechien und Senegal verbracht. Ich habe viel gelernt und große musikalische Fortschritte gemacht.

Und noch etwas ist passiert, davon erzähle ich aber später, in einem meiner nächsten Beiträge.

Gerne mache ich unbezahlte Werbung für die Workshops von Monika in Abene. Wenn ihr Lust auf afrikanisches Trommeln und Tanzen habt und die besten Lehrer haben möchtet, seid ihr dort bestens aufgehoben.
https://senegalsky-workshop.webnode.cz/