Besuch auf dem Polizeirevier

Was wäre 1/2 Jahr Afrika ohne das Erlebnis, mit der korrupten Polizei Bekanntschaft gemacht zu haben?
Genau, gar nichts wäre das. Und deshalb nehme ich am Ende meiner Reise noch ordentlich was mit. Es geht um einen Führerschein und darum, dass man mein Auto als Pfand benutzen wollte, um eine halbe Million CFA zu erpressen.

Das Polizeirevier von außen

Aber der Reihe nach: ich habe mir letztes Jahr im Dezember in Gambia ein Auto gekauft, ich wollte ja ursprünglich das halbe Jahr in Gambia bleiben. Eigentlich hatte ich dort schon ein Auto, einen schwarzen Mercedes, C-Klasse. Das hat mein Ex-Freund von meinem Geld gekauft. Und nachdem er sich von mir getrennt hat, um eine andere zu heiraten, hat er sich mit dem Auto aus dem Staub gemacht. Aber das ist eine andere Geschichte, die ich vielleicht ein anderes mal erzählen werde.

Also, ich habe ein Auto mit gambischem Nummernschild. Und nun bin ich ja seit Ende Januar nebenan in Senegal. Wer denkt, das wäre ähnlich wie mit dem deutschen Auto nach Holland, Frankreich oder sonstwo in Europa zu fahren, irrt.

Man braucht nämlich eine Extragenehmigung, um das Auto aus Gambia auszuführen und in Senegal einzuführen. Die gambische Seite macht keine Probleme. Die haben mir das erste Mal 30 Tage und das zweite Mal 90 Tage aufgeschrieben, das reicht bis zu meinem Rückflug. Und die wollten gerade mal 100 Dalasis dafür, das sind nicht mal 1,50 €.

Aber die Senegalesen zicken rum. Die geben maximal 30 Tage und die kosten 7500 CFA, das sind 11,50 €. Man muss also vor Ablauf des Passavant zur Zollbehörde oder aber zur Grenze (Gambia oder Guinea-Bissau) und verlängern. Kostet jedesmal 11,50 €

Mein senegalesischer Mann hat einen senegalesischen und gambischen Führerschein. Wenn er mit meinem Auto fährt und kontrolliert wird, zeigt er den gambischen Führerschein. Und glaubt mir, mit gambischen Nummernschild wird man immer kontrolliert. Und die finden immer irgendwas, für das sie leider, leider eine Strafe erheben müssen. Z.B. weil man keinen Feuerlöscher im Auto hat. Oder weil man kein zweites Warndreieck hat. Oder weil man eine Kora hinten auf dem Rücksitz hat. Oder weil man mit Flip-Flops Auto fährt…

In der Regel sind es kleine Beträge, mal 2000 CFA, mal 3000 oder auch schon mal 6000…

Aber gestern hieß es, man darf keinen gambischen Führerschein haben, wenn man keinen festen Wohnsitz in Gambia hat. Und wir mussten zur Polizeiwache, höhere Dienststelle. Als erstes haben sie meinem Mann den Autoschlüssel abgenommen. Ich hätte den ja nicht rausgerückt. Und dann kam der Hammer: 500.000 CFA Strafe, das ist eine halbe Million und in etwa das Budget fürs Essen für 5 Monate! Die wollten mein Auto als Pfand behalten, bis wir das Geld zahlen.

Was sich auf der Polizeiwache abspielte, war unglaublich!

Wir saßen im Büro, mit dem diensthabenden Offizier und einer seiner Kolleginnen. Man hat uns halt die Kosten um die Ohren gehauen und danach haben sich die beiden anderen Dingen zugewendet. Es wurden Briefe diktiert und aufgeschrieben, irgendeine Ortschaft bei Google Maps gesucht, sie gingen Akten durch usw.

Der Wartebereich

Irgendwann durften wir aus dem Büro entlassen, um im Flur zu warten. Ich hab mir währenddessen etwas zu Essen geholt.

Insgesamt haben wir vier Stunden dort verbracht, danach ging ein Mitarbeiter mit uns zum Auto, damit wir unsere Sachen dort herausholen können.

Und da bin ich wütend geworden. Ich bin zu dem Offizier, der mittlerweile draußen stand, und habe (auf französisch!) mit Bestimmtheit und Nachdruck gesagt, dass das mein Auto ist und ich mir nichts zuschulden kommen lassen habe und ich jetzt mit meinem Auto nach Hause fahren möchte. Dass das Auto vollgepackt ist, weil ich drei Wochen weg war. Dass ich Musikinstrumente im Auto habe, sowie Laptop und eine komplette Kameraausrüstung und Koffer usw.

Ich habe den Autoschlüssel bekommen, musste aber meinen Ausweis da lassen. Immerhin war ich so schlau und habe meinen Personalausweis dort gelassen und nicht meinen Reisepass. Man weiß ja nie. Morgen müssen wir wiederkommen. Ich weiß noch nicht, wie wir das Lösen aber ich werde meinen Autoschlüssel nicht hergeben.

Fortsetzung folgt…

Cashews

Die Provence in Frankreich ist für seine Lavendelfelder bekannt. Apulien in Italien für seine Olivenbäume und die Casamance in Senegal ist bekannt für seine Cashews. Überall stehen Cashewbäume, mal nur vereinzelt, mal ganze Wälder oder Alleen.

Und die Ernte ist jetzt bzw. beginnt gerade, je nachdem, ob es sich um eine frühe oder späte Sorte handelt.

Cashew-Allee im Süden der Casamance

Bislang kannte ich nur die Cashewkerne, also Nüsse, die man bei uns in Deutschland in nahezu jedem Geschäft kaufen kann. Aber der Cashewbaum hat weitaus mehr zu bieten.

Auf dem Baum wachsen Früchte. Mal sind sie gelb, mal rot. Je nach Sorte. Sie werden in Deutschland gerne Cashewäpfel genannt, obwohl sie so gar nichts mit einem Apfel gemeinsam haben. Und unter dieser Frucht sitzt der Cashewkern, also die Nuss, verpackt in einer dicken Schale.

Was ich bis vor kurzem nicht wusste, die Früchte kann man essen oder auch auspressen, sie sind voller Saft!

Der Saft schmeckt fruchtig und nicht zu süß. Das Fruchtfleisch hingegen ist leicht herb und hinterlässt gerne ein pelziges Gefühl im Mund und auf der Zunge.

Ich zutzele die Früchte aus, kaue endlos auf ihnen herum, bis nur noch der Trester übrig ist. Darüber freuen sich unsere Schafe und Hühner.

Man kann die Früchte auch auspressen, dann hat man köstlichen Saft. Ich werde nächsten Winter meine Saftpresse mitnehmen.

Die Cashewkerne dreht man einfach ab und lässt sie für 1-3 Tage an der Sonne trocknen. Danach werden sie gekocht. Die Schale enthält nämlich ein extrem hautreizendes Öl, das die oberste Hautschicht der Hände einfach wegätzt.

Deshalb ist es wichtig, beim Kauf der Nüsse nicht nur auf der Qualität zu achten, sondern auch auf das Herstellungsverfahren. Werden gesundheitliche Standards eingehalten usw.

Die Regierung setzt übrigens einen Preis für die geernteten Nüsse fest, der nicht unterschritten werden darf. Sie schützen so die Farmer, sich gegenseitig zu unterbieten bzw. von Käufern ausgebeutet zu werden.

Nach dem Kochen werden die Schalen geöffnet und die Nuss wird manuell aus der Schale gepult. Das ist nicht nur anstrengend sondern auch sehr zeitintensiv.

Abschließend kann die Nuss entweder „roh“ verzehrt werden oder geröstet. Hier werden Nüsse traditionell in einer Art Wok auf offenem Feuer geröstet. Damit sie nicht verbrennen, kommt Sand in den Wok. Dieser wird wieder ausgesiebt. Aber manchmal knirscht es trotzdem ein bisschen zwischen den Zähnen.

Und nun noch etwas Persönliches: meinem Mann gehört ein etwa 1,5 Hektar großes Stück Land zwischen Ziguinchor und Guinea-Bissau. Darauf befinden sich weit über 100 Cashewbäume. Vereinzelt fallen die Nüsse schon aber die Haupternte kommt erst noch, es ist eine der späten Sorten. Später in der Regenzeit gibt es noch eine zweite Ernte.

Spaziergang durch „mein“ Cashewwäldchen

Streetfood oder Frühstück unterwegs

Ich muss heute arbeiten, unterrichten, um genauer zu sein. Alle zwei Wochen unterrichte ich Deutsch, online für eine Frau in Tschechien. Ich freue mich immer auf unsere Stunde. Meine Studentin hat schon vor mir sehr viel gelernt und sie beherrscht die deutsche Sprache verdammt gut.
Sie sucht sich immer irgendein Thema aus, worüber wir diskutieren, ab und an machen wir etwas Grammatik.
Zum Arbeiten fahre ich in die Alliance Francaise.

Die habe ich neulich für mich entdeckt. Dieser Ort liegt in der City, etwas abseits des großen Marktes und ist wie ein schöner Park mit vielen Bäumen, Büschen, Blumen und vielen Tischen und Stühlen.
Es gibt hier eine Bücherei, viele Tische und Stühle, eine Bar, wo man Getränke kaufen kann.

Bücherei
„Sofies Welt“ als Comic

Und es gibt kostenfreies WiFi!
Tagsüber sind viele Studierende hier, um miteinander oder auch alleine für sich zu lernen.
Für mich ist es der perfekte Ort, ich habe hier Ruhe, viel Schatten und eben WiFi.



Aber ich habe noch nichts gefrühstückt, ich mache mich auf die Suche nach etwas Essbarem. Das ist, trotz Ramadan nicht weiter schwierig. An der Straße unweit der Alliance Francaise gibt es einige Stände, z.B. einen, wo eine Frau frittierte Krapfen verkauft. Sie hat einen Art Wok auf einer gusseisernen Feuerstelle, ihrem „Herd“ und daneben eine große Schale, wo sie die fertigen Krapfen liegen hat.
Ich kaufe fünf davon und zahle 250 xof (senegalesische Francs), das sind umgerechnet etwa 40 Cent.
An einem anderen Stand kaufe ich Bananen, fünf kleine für 500 xof und eine kleine Flasche (0,33 l) Bissap-Saft für 100 xof.
Bissap, so heisst hier der Saft, der aus den meist roten Hibiskusblüten gekocht wird. Diese Hisbiskusblüten haben nichts mit den Hibiskusblüten zu tun, die wir aus Deutschland kennen. Ich mag den Bissap-Saft sehr, sehr gerne.

Ich habe nur einen 5000 xof-Schein, die Frau hat nicht so viel Wechselgeld. Aber ein paar Meter weiter stehen ein paar Männer mit ihren Mopeds. Und einer von ihnen wechselt den Schein in 2x 2000 xof und 1x 1000 xof.
Übrigens: ich musste noch nie hier in Afrika Geld wechseln gehen. Das machen hier die Verkäufer*innen.
Zum Schluss kaufe ich noch einen kleinen Becher Kaffee an einem anderen Stand. Es ist der übliche lösliche Kaffee und er ist stark gesüßt aber heute morgen schmeckt mir der.

Mein Frühstück heute Morgen

Ich hatte echt große Bedenken wegen der Ramadan-Zeit aber es ist eigentlich wie immer. Denn es leben nicht nur Muslime in Ziguinchor, es gibt zahlreiche Christen und andere Religionen hier.
Und es gibt eben viel, viel Toleranz gegenüber anderen Religionen.

Umzug nach Ziguinchor

Es ist vieles passiert in den letzten Wochen.

Ich habe mich verliebt, in meinen Trommellehrer, der mich in Abene unterrichtet hat.
Er spielt auch Gitarre und wir haben zusammen gesungen, afrikanische Lieder.
Musik hat etwas Magisches, es hat zwischen uns geknistert und gefunkt.
Und ich habe etwas getan, was ich niemals für möglich gehalten hätte, ich habe ihn nach nur vier Wochen geheiratet. Es war eine traditionelle Mandinka-Hochzeit, mit vielen Kolanüssen.

Zwei Wochen nach der Hochzeit bin ich zurück nach Gambia, um mein kleines Apartment dort aufzulösen und mit all meinen Sachen nach Ziguinchor in Senegal zu ziehen. Denn mein Mann lebt dort.
Gottseidank hatte ich nicht allzu viel in meiner Wohnung in Gambia. Ein bisschen Geschirr, ein Gaskocher, ein Kühlschrank, ein Bett, vier Stühle, zwei Sessel, ein paar Tische (ein Esstisch und ein paar kleinere Beistelltische, mein Fahrrad und meine Kleidung…
Das war alles schnell gepackt.

Am Tag meines Umzuges wartete ich auf den Kleinbus aus Ziguinchor.
Er kam erst um 16 Uhr! Ich hatte ausdrücklich gesagt, die sollen ganz früh morgens losfahren, damit ich nicht im Dunkeln nach Ziguinchor fahren muss, die Straße dorthin ist mit hunderten von Schlaglöchern versehen. Es ist wirklich die schlimmste Straße, die ich jemals gefahren bin und ich bin sehr viel gefahren, in vielen Ländern.
Okay, ich dachte, es ist ja nicht viel, kann ja nicht lange dauern, bis alles im Auto ist.

Denkste! Es war ein Bus mit Sitzbänken und diese dürfen nicht beladen werden, verbietet die Polizei. Somit war nicht viel Platz im Bus und die beiden Männer spielten quasi Tetris. Das meiste kam auf Dach.
Bis alles verpackt war, war es 19 Uhr und da geht bereits die Sonne unter.
Ich stieg in mein Auto, gemeinsam mit Aladji, der Fahrer stieg in seinen Bus und wir machten uns auf den Weg.

Die Fahrt war furchtbar, es ist wirklich nicht schön, diese Strecke im Dunklen zu fahren.
Aber um kurz nach Mitternacht waren wir in Ziguinchor. Und alle waren da, um zu helfen, die beiden Autos zu entladen. Nachbarn, Freunde, Familie… sie alle sind wach geblieben, bis ich komme.
Sogar mein Bett haben sie noch aufgebaut.

Ich habe nun ein neues Zuhause. Ein Familiencompound in Ziguinchor mit Ehemann, zwei weiteren Ehefrauen, fünf Kindern im Alter von 3-19 Jahren, zwei Neffen und mit Schafen, Hühnern, Tauben und einem Hund. Bis Ende Mai werde ich noch hier bleiben und ich freue mich auf diese Zeit.

Und so sieht mein Zimmer aus. Während ich in Gambia war um den Umzug vorzubereiten, wurde der Fußboden gefließt und die Wände wurden schön verputzt und neu gestrichen. Demnächst kommt noch ein Stoffhimmel unter die Decke, damit das Wellblechdach verdeckt wird.
Und ich hoffe, ich finde ein paar schöne Bilder für die Wände.