Die Vorgeschichte: eine erste Begegnung mit Afrika und eine geplante Reise für sechs Monate durch Osteuropa
Meine erste Reise auf den afrikanischen Kontinent führte mich 2017 nach Simbabwe. Streng genommen war ich schon ein paar Jahre zuvor in Tunesien gewesen. Aber auch wenn Tunesien geografisch zu Afrika gehört, ist es nicht das Afrika, das ich mit diesem Kontinent verbinde.
2017 flog ich gemeinsam mit drei Frauen und einem Mann aus Tschechien nach Simbabwe. Und das, was ich dort in den zweieinhalb Wochen erlebte, hat mich beeindruckt. Oft stellte ich mir vor, wie es wohl wäre, nicht nur wenige Wochen dort zu sein, sondern mehrere Monate. Um wirklich ins Land eintauchen zu können, Menschen richtig zu begegnen und ihren Alltag kennenzulernen.



Aber ich hatte Gründe, diesen Gedanken nicht weiterzuverfolgen. Ich war verheiratet und wir führten seit einigen Jahren eine Art temporäre Fernbeziehung.
Im Sommer, von Mai bis Oktober, war ich in meinem Haus in Tschechien, während mein Mann in Deutschland blieb. Wir sahen uns nur alle zwei bis drei Wochen. Im Winter lebte ich dann wieder in Deutschland und wir teilten unseren ganz normalen Alltag.
In den Sommermonaten vermisste ich ihn oft. Und jedes Mal war ich traurig, wenn er wieder zurückfuhr und ich allein in Tschechien blieb. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, mehrere Monate von meinem Mann getrennt zu sein.
Doch 2020 änderte sich alles.
Eigentlich wollten wir von März bis September sechs Monate durch Osteuropa reisen. Wir hatten lange für diese Reise geplant und gekämpft, uns ein Auto gekauft, in das wir ein Bett und einen kleinen Gaskocher eingebaut hatten, und uns richtig darauf gefreut. Ich hatte bereits schöne Fahrradrouten herausgesucht.
Doch im März 2020 tauchten die ersten Covid-Fälle auf.
Trotzdem fuhren wir am 9. März von Pecka in Tschechien nach Bratislava in der Slowakei. In Osteuropa war Covid noch nicht so präsent und wir dachten, dort wären wir sicher.
Wir blieben drei Tage in Bratislava. Die Museen hatten bereits geschlossen, Cafés und Geschäfte waren aber noch geöffnet.

Unsere nächste Station sollte Maribor in Slowenien sein.
Wir fuhren über Ungarn nach Slowenien. An der ungarisch-slowenischen Grenze machte man uns darauf aufmerksam, dass wir nicht mehr zurück nach Ungarn einreisen könnten. Das Land schottete sich zunehmend ab. Wir machten uns zunächst keine großen Gedanken darüber, denn Ungarn stand ohnehin nicht auf unserer Reiseroute.
In Maribor bezogen wir unsere Unterkunft, ein privates Airbnb. Das Ehepaar, das uns empfing, war sehr freundlich und hilfsbereit. Es informierte uns über die aktuellen Covid-Fallzahlen und darüber, dass inzwischen auch Kroatien seine Grenzen geschlossen hatte. Unsere Weiterreise war damit erst einmal unmöglich.

Am Abend fuhren wir noch in die Innenstadt und saßen in einem Lokal draußen an der Drau. Im Hintergrund hörten wir das Rauschen des Wassers. Wir tranken Wein und verfolgten die Nachrichten.
Es sah nicht gut aus. Immer mehr Grenzen in Europa wurden geschlossen, es gab Beherbergungsverbote und es wurde zunehmend klar, dass wir nicht weiterreisen konnten.
Dann erfuhren wir aus den Medien, dass die tschechische Grenze am nächsten Tag noch für die Einreise geöffnet sein würde. Danach sollte auch diese Möglichkeit wegfallen.
Wenn wir also noch zurück zu unserem Haus wollten, mussten wir am nächsten Morgen fahren.
Wir schauten uns an und fassten einen Entschluss: Wir würden zurück nach Tschechien fahren.
Wenn wir schon eingesperrt sein sollten, dann wenigstens in Pecka, in unserem Haus mit Garten.
Dort fühlten wir uns sicherer als in unserer Großstadt Essen.
Einen Monat später mussten wir dennoch gemeinsam nach Essen zurückkehren. Mein Mann hatte eine wichtige MRT-Untersuchung und man hätte ihn danach nicht wieder nach Tschechien einreisen lassen. Außerdem wussten wir nicht, wie lange der Lockdown und die Grenzschließungen noch andauern würden.
Ende Mai wurden die Einschränkungen gelockert und wir durften innerhalb Deutschlands wieder reisen.
Statt Kroatien, Montenegro und Albanien buchten wir eine Ferienwohnung an der Mecklenburgischen Seenplatte, nahmen unsere Fahrräder mit und verbrachten dort zehn Tage.


Anschließend fuhr ich noch für eine Woche nach Zingst an die Ostsee. Mein Mann fuhr zurück nach Essen, er hatte wieder wichtige Termine.
Er wollte aber wiederkommen und wir wollten gemeinsam noch ein paar Tage auf einem Campingplatz an der Ostsee verbringen.
Als er wieder da war, hatten inzwischen auch die ersten Länder ihre Grenzen wieder geöffnet. Darunter Tschechien, Österreich, Slowenien und Kroatien.
Wir saßen in Ahrenshoop in einem Café, frühstückten und überlegten, ob wir nicht doch noch einmal losfahren sollten. Von unseren ursprünglich geplanten sechs Monaten waren immerhin noch drei übrig.
Doch das, was daraufhin geschah, veränderte alles.
Davon erzähle ich im nächsten Beitrag.